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Beobachter-FallFehlurteil verurteilt

Unterstützt vom Beobachter, erkämpfte sich eine dreifache Mutter vor Bundesgericht ihr Recht auf Kinderzulagen.

von

Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, drinnen waltet

die züchtige Hausfrau: Ein Weltbild frei nach Schillers 

«Glocke» mag die Verwaltungsrichter des Kantons

Freiburg inspiriert haben.

Jedenfalls kamen sie zum Schluss, dass die im Freiburgischen

wohnhafte und erwerbstätige Edith Felser, Mutter dreier

Teenager, keinen Anspruch auf Kinderzulagen habe. Diese stünden

vielmehr dem im Kanton Bern erwerbstätigen Vater zu.

So wolle es das kantonale Kinderzulagengesetz, argumentierten

die Richter, und ausserdem entspreche die traditionelle Rollenverteilung

«einer historischen und bis heute geltenden soziologischen

Realität».

Auf Anraten des Beobachters reichte Edith Felser eine staatsrechtliche

Beschwerde beim Bundesgericht ein und berief sich auf das

Diskriminierungsverbot in der Verfassung.

Kürzlich erhielt sie positiven Bescheid: Für

die Ungleichbehandlung der Ehegatten gebe es «keinen

zulässigen Grund», hielt das höchste Gericht

des Landes fest.

Das Urteil wirkt sich auf die künftige Praxis aus:

Bei Berufstätigkeit beider Ehegatten sind die Kinderzulagen

von dem Elternteil zu beziehen, der im Wohnsitzkanton arbeitet.

Edith Felser ist zufrieden: «Ich freue mich, dass ich

auch für andere betroffene Frauen ein Stück Gleichberechtigung

erkämpfen konnte.»

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Veröffentlicht am 29. August 2003