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Gabi Petri und Markus Knauss: «Die Arbeitswelt ist zu wenig kinderfreundlich»

«Meine ökonomische Unabhängigkeit wollte ich immer bewahren. "Nur" Hausfrau sein kam deshalb nie in Frage», sagt Gabi Petri (39). Sie arbeitet zu 50 Prozent als Geschäftsführerin bei der Zürcher Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) und zu 50 Prozent als Familienfrau und Kantonsrätin der Grünen Partei.

«Ich wollte neben meinem Beruf in der Kindererziehung mitwirken», erklärt Ehemann Markus Knauss. Er arbeitet auch halbtags als Geschäftsführer beim VCS Zürich, die restliche Zeit ist er Familienmann und Gemeinderat der Stadt Zürich für die Grüne Partei. Nina (12) geht in die sechste Primarklasse, ihre Schwester Anna (5) besucht den Kindergarten.

Der Verkehr beschäftigt die Familie auch privat: «Eine verkehrsreiche Strasse ist für Kinder ein unüberwindbares Hindernis», bedauert das Ehepaar. Zudem werden natürliche Nischen in dicht bebauten Stadtteilen den Kindern oft vorenthalten: «Bei uns im Zürcher Sihlfeld sind Blockrandbebauungen mit grünen Innenhöfen zahlreich. Doch die Hauseigentümer bevorzugen meist Mieter ohne Kinder.»

Der gemeinsame Job ist fast ideal. Der Nachteil: Drei Wochen Ferien sind nicht möglich. So lang können die beiden den VCS nicht lahm legen. «Viele beneiden uns zwar um unsere gemeinsame Kinderbetreuung, aber sie wollen unser Modell nicht übernehmen», sagt Markus Knauss. «Um Karriere zu machen, sind sie für die Firma stets verfügbar.»

Eltern müssten eben auch den Vorgesetzten im Betrieb klarmachen, dass sie für die Erziehung ihrer Kinder Zeit brauchten. Das Ehepaar Petri Knauss setzt diesen Gedanken in der Praxis um: «Wenn wir uns mit Wirtschaftsvertretern treffen, sagen wir gleich, dass gewisse Zeiten nicht in Frage kommen – die sind für unsere Kinder reserviert.» Die Wirtschaft müsse endlich einsehen, dass Eltern Erziehungsaufgaben hätten.

Das Recht der Eltern, ihre Kinder zu betreuen, sei aber auch von der öffentlichen Hand zu respektieren. Die Kritik von Markus Knauss: «Die Kinderzulagen sind gering. Sie müssten ein Mehrfaches betragen.»

Mit seiner Rollenteilung verfolgt das Ehepaar Petri Knauss auch einen pädagogischen Zweck. Markus Knauss: «Die Gleichberechtigung gilt immer und überall. Die Männer können sich nicht von der Hausarbeit dispensieren mit dem Argument, sie brächten ja das Geld nach Hause.»

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Veröffentlicht am 19. März 2001