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Lebensstile«Beruf: Hausmann»

Soziologe und Theologe Robert Zimmermann, 57, gab seine Tätigkeit als Pfarrer auf, um sich stärker Haushalt und Familie widmen zu können. Er hat den Entscheid nicht bereut.

von

«Das war schon ein komisches Gefühl, als meine Tochter in der Schule zum ersten Mal Hausmann als Beruf ihres Vaters angab. Schliesslich bin ich kein Alternativer, sondern habe sehr traditionelle Karrierevorstellungen. Ich bin Soziologe, lehrte als Professor in Deutschland, bevor ich mit vierzig noch Theologie studierte.

Bis vor drei Jahren teilte ich mit meiner Frau eine Pfarrstelle. Daneben arbeitete ich als Soziologe. Die Hauptlast der Haus- und Erziehungsarbeit für unsere drei Kinder trug meine Frau. Dann wurde

ihr eine Vollzeitstelle als Pfarrerin am Berner Münster angeboten.

Mit 54 stand ich auf einmal vor dem Entscheid, zugunsten von Frau und Familie auf meine Tätigkeit als Pfarrer zu verzichten und mich deutlich stärker um Kinder, Haus und Hund zu kümmern.

Ich habe die Herausforderung angenommen und bin froh darum.

So erlebe ich die Entwicklungsschritte meiner Kinder. Kürzlich habe

ich meinem Jüngsten auf der Münsterplattform das Velofahren beigebracht, das war eine wunderbare Erfahrung.

Natürlich fällt mir die Hausmann- und Vaterrolle nicht immer leicht. Manchmal ertappe ich mich dabei, von beruflichen Zielen zu träumen, die im Moment mit unserer familiären Situation einfach nicht vereinbar wären. Etwas beschämt, aber mit Freude und Engagement wende ich mich dann wieder meinen Aufgaben zu.»

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Veröffentlicht am 23. Oktober 2001