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Peter Spuhler: «Wir müssen die soziale Verantwortung wahrnehmen»

Der Thurgauer Unternehmer und SVP-Nationalrat wehrt sich bei der Eingliederung Behinderter gegen staatliche Vorschriften und plädiert für die Eigenverantwortung der Arbeitgeber.

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Beobachter: Wie viele der gut 900 Angestellten Ihrer Firma Stadler Rail sind Behinderte?
Peter Spuhler: Rund ein Prozent der Belegschaft in der Schweiz. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, auch Arbeitsplätze für Behinderte zu bieten.

Beobachter: In den meisten EU-Ländern gelten Quoten. In Österreich müssen zum Beispiel vier Prozent der Belegschaft Behinderte sein.
Spuhler: Starre Quoten sind ein völlig falscher Weg, weil nicht alle Firmen die gleichen Möglichkeiten besitzen, Menschen mit einem Handicap zu beschäftigen. Für den Bau von Eisenbahnwagen können wir zum Beispiel unmöglich einen Gehbehinderten einstellen, wohl aber für das Zeichnen von Konstruktionsplänen. Ob etwa Menschen mit psychischen Problemen sich in der Arbeitswelt behaupten können, hängt auch von ihnen selber ab. Ein ehemals schwer Heroinabhängiger hat sich bei uns sehr gut bewährt, andere Angestellte mit Alkoholproblemen schafften es dagegen nicht.

Beobachter: Pro Mente Sana fordert ein Bonus-Malus-System: Firmen sollen eine Abgabe bezahlen, falls sie keine Nischenarbeitsplätze anbieten. Mit dem Ertrag würden die sozialen Unternehmen belohnt.
Spuhler: Dies würde bloss zu ineffizienter Umverteilung und mehr Bürokratie führen. Viel sinnvoller wäre es, Firmen mit Steuerentlastungen zu belohnen, wenn sie Behinderte beschäftigen.

Beobachter: Wie soll die Invalidenversicherung saniert werden können, wenn viele Unternehmer leistungsschwächere Angestellte in die IV abschieben?
Spuhler: Das ist tatsächlich eine Sauerei. Allerdings erschleichen sich sehr oft Arbeitnehmer selber eine IV-Rente, weil sie nicht mehr arbeiten wollen. Missbrauch muss entschieden bekämpft werden. Ich stehe aber auch dafür ein, dass wir Unternehmer unsere soziale Verantwortung wahrnehmen. Das ist der beste Weg, um neue unsinnige staatliche Vorschriften zu verhindern.

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Veröffentlicht am 13. Oktober 2003