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KniggeAndere Länder, andere Sitten

Nur schon in der Schweiz gibt es zahlreiche Knigge-Regeln, an die man sich halten sollte. Doch wie verhält man sich in Ländern wie Deutschland, den USA oder China richtig? Eine «Tour de Knigge» in drei Weltregionen.

von aktualisiert am 04. Juli 2017

Interkulturelle Kompetenz ist in einer sich globalisierenden Arbeitswelt wichtiger denn je – auch darüber schreibt «Der Schweizer Business-Knigge», der soeben in der Beobachter-Edition erschienen ist. Das Kapitel «Vom Umgang mit ausländischen Kunden» zeigt einige Besonderheiten im Kontakt mit ausländischen Geschäftsleuten auf und geht besonders darauf ein, was Sie als Schweizer Gastgeber von Menschen aus anderen Kulturen beachten müssen.

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Deutschland, USA und China

In dieser Übersicht gehen wir nun auf die spezifischen Gepflogenheiten einzelner Länder ein. Deutschland ist laut Bundesamt für Statistik der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Schweiz. Auf dem zweiten Platz folgen die USA mit einem Anteil von 36.4% am Export der Schweiz. Drittwichtigster Handelspartner war im Jahr 2016 England und direkt dahinter, an vierter Stelle, China.

Im Wissen um diese Rangliste werden im folgenden Informationsteil die Besonderheiten der deutschen Geschäftskultur behandelt, ebenso wie diejenigen der amerikanischen. Da sich die chinesische Kultur stark von der schweizerischen unterscheidet geht der dritte Teil geht auf die Besonderheiten der chinesischen Geschäftskultur ein.

Es werden jeweils die Themen Begrüssung, Kommunikationsregeln, Geschäftskultur, Kleidung, Tischetikette sowie Sitten und Gebräuche behandelt. Die Knigge-Tipps können vor allem dann hilfreich sein, wenn Sie Ihre Geschäftspartner im jeweiligen Land besuchen.

Um nochmals den Schweizer Business-Knigge zu zitieren: «Sie brauchen sich nicht chinesischer zu verhalten als Chinesinnen und Chinesen, sondern müssen im Wissen um deren Eigenheiten etwas weniger schweizerisch sein!»

Sollten Sie sich mit den Gepflogenheiten eines Landes nicht so gut auskennen, nutzen Sie einfach Ihren gesunden Menschenverstand und beobachten Sie Ihre Umgebung aufmerksam. Etwas Empathie und Toleranz bringt Sie meist schon sehr weit.

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Der Schweizer Business-Knigge

Was gilt in der Arbeitswelt?

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Der Schweizer Business-Knigge

Deutschland – Pünktlich und distanziert

Deutschland ist der wichtigste Geschäftspartner für die Schweiz. Die geografische, sprachliche und kulturelle Nähe ist wohl ein Grund, weshalb sich viele Deutsche entscheiden, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten – und umgekehrt. In einer Studie von 2011 rechnete Avenir Suisse vor, dass proportional zur Bevölkerung etwa dreimal so viele Schweizer in Deutschland (1 % aller Schweizer) leben, als Deutsche in der Schweiz (0,34% aller Deutschen).

Die Neigung der Schweizer, nach Deutschland auszuwandern, sei also deutlich höher als umgekehrt, was allerdings typisch ist für Länderpaare mit einem solchen Grössenunterschied.

Dennoch wurden in den letzten Jahren in der Schweiz die kulturellen Unterschiede, besonders in den Medien, immer mehr hervorgehoben. Zur aktuellen Frage der «Andersheit» vermutet Georg Kreis, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Basel,: «Neben historischen und kulturellen Differenzen sind es möglicherweise auch Ähnlichkeiten, die zum Problem werden.»

Missverständnisse und Verwirrungen zwischen Schweizer und Deutschen sind im Privaten wie in der Geschäftswelt keine Seltenheit. Eine minimale Auseinandersetzung mit den Eigenheiten der Geschäftskultur in Deutschland ist deshalb für den erfolgreichen Business-Austausch zu empfehlen. Viele Schweizer Knigge-Regeln mögen tatsächlich auch für Deutschland gelten. Dennoch gibt es ein paar kleine, aber feine Unterschiede, deren man sich bewusst sein sollte.

 

  1. Begrüssung

    In Geschäftsbeziehungen wird, wie in der Schweiz, jeweils zur Begrüssung und Verabschiedung die Hand geschüttelt. Reden Sie deutsche Geschäftspartner oder Kollegen mit «Sie» an. Schweizer neigen in der Regel schneller dazu, jemandem das «Du» anzubieten. Insbesondere Vorgesetzte zu duzen ist in Deutschland in vielen Branchen unüblich. Die Begrüssung erfolgt in folgender Reihenfolge: ranghöchste Person zuerst (auch wenn eine Dame anwesend ist), danach Ältere vor jüngeren und Damen vor Herren.
     
  2. Kommunikationsregeln

    Akademische Titel spielen in Deutschland eine grössere Rolle als in der Schweiz. Falls Ihr Gesprächspartner in Deutschland einen Titel führt, sollten Sie ihn mit diesem auch ansprechen. Bei mehreren Titeln wird nur der höchste verwendet. Weglassen können Sie den Titel, wenn es Ihnen von Ihrem Gesprächspartner angeboten wird. Bei Verhandlungen oder Meetings mit deutschen Geschäftspartnern ist es wichtig, aussagekräftige Fakten und Beispiele bereitzuhaben. Verhandlungen sind meist analytisch und faktenbasiert. Eine gut recherchierte Rede mit Grafiken, empirischen Argumenten und Statistiken wird meist geschätzt.
     
  3. Tischetikette

    Seien Sie nicht irritiert, wenn Ihre Deutschen Kollegen im Restaurant «unhöflich» sind. Eine grusslose Bestellung ohne «Bitte» ist in Deutschland gang und gäbe. Zum Beispiel: «Ich bekomme einen Kaffee.»
     
  4. Geschäftskultur

    Ein wichtiger Unterschied in der Business-Kultur zwischen der Schweiz und Deutschland liegt in den Strukturen und Hierarchien. Während man in der Schweiz tendenziell an ein wenig hierarchisches Managementsystem gewöhnt ist, bei dem man sich oft auf Augenhöhe begegnet, sind Geschäfte in Deutschland meist hierarchisch aufgebaut. Entscheidungen werden jeweils auf der höchsten Ebene des Unternehmens getroffen und dann im Top-down-Verfahren umgesetzt. Diese unterschiedlichen Strukturen mögen nicht auf den ersten Blick sichtbar sein, können bisweilen jedoch auch zu Irritationen führen.

    Der Schweizer Medienunternehmer Roger Schawinski berichtet in einem Artikel in der «Welt» von seiner Erfahrung als Geschäftsführer des deutschen Privatfernsehsenders Sat.1: «Alle Blicke waren auf mir, damit ich die Order ausgeben würde. Meine neuen Mitarbeiter warteten auf meine Vorschläge, meine Einschätzungen, meine Kritik, mein Lob.» Durch verschiedene Erfahrungen musste Schawinski dann einsehen, dass das Festhalten am Schweizer Führungsstil nicht einfach so funktionieren würde: «Eine enge Mitarbeiterin erklärte mir, dass ich nicht einfach unangemeldet in eine Redaktion platzen könne, um mit den gerade Anwesenden über die aktuelle Sendung zu debattieren. Ein Geschäftsführer geniesse in Deutschland so hohen Respekt, dass sich viele Mitarbeiter nicht frei und ungezwungen äussern könnten. Mit meinem Auftreten brächte ich die Leute bloss in Verlegenheit.»

    Die deutsche Geschäftskultur gilt als sehr professionell und ordnungsgemäss. Geschäftspersonen neigen deshalb dazu, sehr formal und konservativ zu wirken. Zu Meetings kommen Deutsche sehr pünktlich und möchten dann auch gerne schnell anfangen, während in der Schweiz ein kurzer Smalltalk zu Beginn üblich ist. Die Meetings folgen dann einem formalen Vorgehen. Manager arbeiten nach präzisen und detaillierten Tagesordnungen, die in der Regel genau befolgt werden. Treffen zielen immer auf spezielle Ergebnisse, anstatt dass generelle Diskussionen geführt werden. In der deutschen Geschäftskultur ist es vorrangig, Aufgaben termingerecht zu erledigen und pünktlich Ergebnisse zu liefern. Es ist nicht unüblich, dass diese dann später nachkorrigiert werden.

USA - Small Talk und «Casual Fridays»

«Business mit Amerikanern? Kein Problem, die sind doch genau wie wir und immer gut drauf.» Der erste Kontakt mit Amerikanern in der Geschäftswelt ist für die meisten Leute sehr erfreulich. Die Amerikaner gelten als freundlich, zuvorkommend und aufmerksam. Diese Nettigkeiten können jedoch auch trügerisch sein. Glauben Sie nicht, die amerikanische Business-Etikette hätte keine strengen Regeln. Die Regeln sind nur oft subtiler und unterschwelliger, aber Fettnäpfchen gibt es auch dort zuhauf.

In der grössten Volkswirtschaft der Welt leben über 300 Millionen Menschen. Klar, dass es dabei kulturelle und regionale Unterschiede in den Verhaltensweisen gibt. Einen pauschalen Knigge-Ratgeber für die USA zu schaffen ist schwierig, weshalb sich die hier genannten Ratschläge auf die sogenannte «Leitkultur» beziehen. Es kann jedoch durchaus vorkommen, dass in bestimmten Situationen ein anderes Verhalten passender ist.

 

  1. Begrüssung

    Die Begrüssung erfolgt auch in den USA per Händeschütteln. Auf den verbalen Gruss folgt üblicherweise ein «How are you?». Als Antwort wird hier «Fine, thanks» erwartet und keinesfalls der jüngste Bericht über die Gesundheit oder gar Krankheit. Stellen Sie sich mit Vor- und Nachnamen vor. Amerikaner gehen gern schnell dazu über, ihre Geschäftspartner mit Vornamen anzureden. Das heisst jedoch nicht, dass Sie mit der neuen Bekanntschaft per «Du» in unserem Verständnis sind. Wenn Sie also den CEO mit dem Vornamen ansprechen dürfen, heisst dies nicht, dass er Ihr Kumpel ist. Wenn Sie auf der Strasse oder dem Flur des Büros einer Bekanntschaft begegnen, ist ein Lächeln und ein kurzes (an-)erkennendes Nicken fällig. 
     
  2. Kommunikationsregeln

    Amerikaner lieben Smalltalk – sei es vor Besprechungen, am Arbeitsplatz oder bei gesellschaftlichen Anlässen. Im Smalltalk wird Konsens hergestellt, Gemeinsamkeiten werden abgetastet. Wie in aller Welt sind intime Themen wie Krankheit, Politik oder Sexualität, die Meinungsunterschiede zutage fördern könnten, nicht anzuraten. Bedenkenlose Themen sind beispielsweise die schöne Gegend, Essen, Sport, Kunst oder Kultur. Es gilt als Zeichen der Beherrschung Ihrer Soft Skills, wenn Sie spontan Kontakte anbahnen, zu einem positiven Klima beitragen, bei Einladungen und in Arbeitspausen entspannt über angenehme Dinge plaudern können. Dabei wird von Ihnen erwartet, dass Sie kommunikativ kompetent genug sind, sich selbständig ins Gespräch einzubringen.

    Sie sollten sich allerdings auch der Kehrseiten dieser Art von Kontakten bewusst sein: Nachhaken ist beim Smalltalk genauso verpönt wie das Preisgeben intimer Details. Privatsphäre und Wesenskern bleiben vor fremden Augen und Ohren geschützt. Im geschäftlichen Umfeld in den USA gilt es zudem, die richtige Balance zwischen Selbstbewusstsein und Respekt und Höflichkeit zu finden. Wenn Sie zu einem Termin eingeladen sind, lohnt es sich, auch Sekretären beziehungsweise Assistenten einen Augenblick zu widmen. Erfragen Sie den Namen und plaudern Sie ein wenig. Denn dieser Kontakt wird für Sie in Zukunft als Ansprechperson und für Informationen wichtig sein.
     
  3. Tischetikette

    Am Esstisch können Sie in den USA nicht viel falsch machen. Im Grossen und Ganzen gelten nämlich die Regeln des guten Tons, die Sie aus der Schweiz kennen. Es gibt einige technische Kleinigkeiten, deren Kenntnis von Vorteil ist, jedoch gibt es kaum Punktabzug, wenn Sie diese nicht befolgen. Die nicht benutzte Hand wird während des Essens auf dem Schoss abgelegt. Beim Verlassen des Tischs wird die Serviette nicht auf dem Tisch, sondern auf dem Sitz deponiert.
     
  4. Geschäftskultur

    Die amerikanische Geschäftswelt hat zahlreiche Rituale für das Networking entwickelt – vom immer populärer werdenden Power-Frühstück über Cocktail-Partys bis hin zum traditionellen Geschäftsessen. Meetings werden oft mit einer heiteren Anekdote eingeleitet, um die Zuhörer für sich einzunehmen. Verhandlungen laufen in den USA normalerweise recht zielstrebig und zügig, denn es gilt: «Time is money». Bleiben Sie also bei den Dingen, die für den jeweiligen Punkt absolut relevant sind. Hintergrund-Informationen werden leicht als Exkurse oder gar als Abschweifungen empfunden. Übertreibungen wie «ultra-cheap» gehören zum normalen Sprachgebrauch und sollten Sie nicht irritieren.
     
  5. Sitten und Gebräuche

    Getrennt zu zahlen, das nennen die Amerikaner «go Dutch». Dies wird also als europäische Sitte betrachtet und sollte in den USA wenn möglich vermieden werden. Die Steuer («tax») wird auf der Rechnung jeweils separat ausgewiesen. Der Service ist nur in Touristengegenden inbegriffen. Ansonsten werden etwa 15% des Betrags als Trinkgeld hinzugelegt. Es ist zwar freiwillig, Trinkgeld zu geben, meist sind die Kellner jedoch darauf angewiesen. Seien Sie also grosszügig. Und, ebenfalls wichtig: Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten.
     
  6. Kleidung

    Im Allgemeinen gilt, dass auf ordentliche Kleidung grosser Wert gelegt wird. Förmliche Kleidung ist im Arbeitsalltag Standard: konservativer dunkler Anzug, helles Hemd und Krawatte für Männer, ein dezentes Kostüm oder ein Hosenanzug für die Frauen. Am meisten Fettnäpfchen-Potenzial hat der Dresscode «Business Casual». Einige amerikanische Firmen haben den Dresscode für die gesamte Firma übernommen oder aber an bestimmten Tagen – bekannt ist hier der Casual Friday. Das souveräne Vorführen des Business-Casual-Dresscodes können Sie detailliert im Beobachter-Ratgeber «Der Schweizer Business-Knigge» nachlesen.

China – «Ja» und «Nein» gibt es nicht

Die Kommunikation und die Kultur in China sind geprägt von Symbolik. Für Business-Besuche oder Geschäftsbeziehungen mit Chinesen ist es deshalb hilfreich, einige Bedeutungen zu kennen. Das Gesicht ist in der chinesischen Kultur nicht nur physisch zu verstehen. Denn darunter werden auch die Meinungen, die andere über eine bestimmte Person haben, bzw. die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wird, verstanden.

Auf ihr Gesicht legen Chinesen traditionell grossen Wert. Das Gesicht «verliert» etwa, wer den gestellten Anforderungen nicht genügt, und besonders wenn dieses Defizit durch andere, etwa durch Kritik, Zurechtweisung etc. vor Dritten, ausdrücklich festgestellt wird. Die Welt besteht für die Chinesen nicht nur aus der sichtbaren physischen, sondern immer auch aus anderen unsichtbaren Kräften. Bei einem Entschluss oder einer Entscheidung wird dies jeweils mitberücksichtigt, das heisst es muss dann auch diesbezüglich «stimmen».

 

  1. Begrüssung

    Viele chinesische Geschäftsleute, die bereits Auslanderfahrung haben, begrüssen Ihre Gesprächspartner mittels Händeschütteln. Ansonsten ist diese Begrüssung in China jedoch eher unüblich. Warten Sie deshalb bei einer Begegnung ab, ob der Gastgeber Ihnen die Hand entgegenstreckt. Zu offensives Auftreten kann für die Gastgeber peinlich werden, da sie nicht unhöflich oder abweisend sein wollen. Werden bei der Begrüssung trotzdem die Hände geschüttelt, tun Sie dies mit einem nur leichten Händedruck und einer respektvollen leichten Verbeugung.

    Sprechen Sie die Chinesen mit ihrem Nachnamen an. Achtung, Fettnäpfchengefahr: Auf der chinesischen Visitenkarte wird der Nachname vor dem Vornamen aufgeführt. Oftmals sind chinesische Visitenkarten zudem auf der Rückseite auf Englisch übersetzt, wo verwirrenderweise der Vorname vor dem Nachnamen aufgeführt wird. Die Visitenkarte wird mit beiden Händen überreicht, mit der Schrift nach vorne. Bekommen Sie eine Visitenkarte, nehmen Sie diese ebenfalls mit beiden Händen entgegen und stecken sie nicht sofort ein. Schauen Sie die Karte kurz an und machen Sie eventuell noch eine Bemerkung betreffend der Funktion oder anderen Angaben auf der Karte. Damit zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie Ihn ernst nehmen und respektieren. Am besten legen Sie die Karte danach offen vor sich auf den Tisch, denn dies erleichtert es Ihnen zudem, sich an den Namen des Gesprächspartners zu erinnern.
     
  2. Kommunikationsregeln

    Smalltalk ist durchaus erwünscht und hilft, das Vertrauen herzustellen. Sprechen Sie dabei allerdings nicht über heikle politische Themen wie Menschenrechte, Tibet oder Taiwan und stellen Sie keine zu persönlichen oder zu intimen Fragen. In Gesprächen ist volle Konzentration gefragt, da Standpunkte oft nur aus dem Subtext herauszuhören sind. Kritik wird nicht offen angebracht, sondern nur indirekt.

    Zudem gibt es in China kein «Nein» als solches. Es gilt als extrem unhöflich, ganz einfach nein zu sagen. Chinesen sprechen lieber davon, dass etwas «kompliziert zu werden verspreche», dass man aber «alles erdenklich Mögliche in die Wege leiten wolle, um das Projekt zu verwirklichen». Der Umgang mit solch vagen Aussagen erfordert viel Geduld, Konzentration und Hartnäckigkeit. Werden Ihre Fragen nicht oder nur ausweichend beantwortet, können Sie diese ruhig immer wieder aufgreifen und sich damit an den Ranghöchsten wenden.

    Auch ein «Ja» wird in China anders gewertet als in der Schweiz. Wenn das Gegenüber während des Gesprächs «Yes» sagt, bedeutet dies vielmehr «Ja, ich habe Sie akustisch verstanden» und sollte keinesfalls mit einer Zustimmung zum Gesagten verwechselt werden. Auch Kopfnicken und Lächeln sind nur Ausdruck davon, dass der Gesprächspartner Sie verstanden hat und Ihnen zuhört. Bei langem und intensivem Blickkontakt fühlen sich Chinesen angestarrt. Deuten Sie es also nicht als mangelndes Interesse, wenn der Gesprächspartner zu Boden blickt.

    Zudem gilt es in China als unschicklich, von Menschen berührt zu werden, zu denen die Beziehung aussliesslich geschäftlich ist. Klopfen Sie Ihrem Gesprächspartner nach einem erfolgreichen Meeting also nicht vor lauter Freude auf die Schulter. Verlieren Sie in den oft langwierigen Gesprächssituationen nie die Geduld, denn dies käme einem Gesichtsverlust gleich.
     
  3. Tischetikette

    Bezüglich Tischmanieren ist – ganz im Gegensatz zur Schweiz – in China alles erlaubt: Schmatzen, Schlürfen, Rülpsen und lautes Sprechen gelten in China nicht als unanständig. Müssen Sie sich jedoch die Nase putzen oder niesen, sollten Sie dies nicht am Tisch tun. Grundsätzlich werden chinesische Speisen mit Stäbchen gegessen. Es wird sehr geschätzt, wenn Sie mit den Essstäbchen umzugehen wissen. Es ist aber auch kein Problem, wenn Sie lieber nach Besteck fragen. Sollten Sie sich für die Holzgeräte entscheiden, gelten folgende Regeln: Stäbchen nicht senkrecht in den Reis stellen, Speisen nicht mit den Stäbchen aufspiessen, nicht während des Sprechens mit den Stäbchen herumfuchteln oder auf Leute zeigen, Stäbchen nicht getrennt ablegen oder kreuzen.

    Eine Speise abzulehnen gilt in China zudem als unhöflich. Auch wenn dort bisweilen uns sehr fremde Speisen serviert werden, sollten Sie wenigstens probieren. Viele Speisen haben einen sehr guten Geschmack, aber sehen für unsere Augen fremd aus. Tipp: Fragen Sie nicht, was Sie hier essen. Wird Ihnen am Tisch ein feuchtes Tuch gereicht, sollten Sie sich damit nicht das Gesicht waschen, sondern die Hände.
     
  4. Geschäftskultur

    Für Geschäftsbeziehungen mit Chinesen ist es zentral, dass Sie Vertrauen aufbauen. Wenn Sie dann noch einige Regeln der chinesischen Geschäftskultur befolgen, steht einer erfolgreichen Beziehung zu Ihrem Geschäftspartner oder Kollegen nichts mehr im Weg. Pünktlichkeit wird auch in der chinesischen Geschäftskultur grossgeschrieben. Chinesische Delegationen sind meist sehr gross, gehen Sie also wenn möglich nicht alleine an Meetings. Obwohl Englisch als Geschäftssprache gilt, ziehen Chinesen oft einen Dolmetscher hinzu. Wollen Sie Missverständnisse vermeiden, sind Sie gut beraten, ebenfalls einen solchen zu engagieren.

    Da es kein Chinesisch «an sich» gibt, sollten Sie vorab abklären, welche Sprache der chinesische Geschäftspartner spricht. Denn die Schriftzeichen sind zwar in der Regel identisch, aber Kantonesisch oder Mandarin verstehen sich oft untereinander nicht. Sonst kann aus einem «Verkaufsrecht» schnell ein «Vorkaufsrecht» werden. Sparen Sie sich also Zeit und Geld von Folgeverhandlungen mit der Investition in einen guten Dolmetscher. Üblicherweise führen die Ranghöchsten der Gesprächsparteien die Verhandlungen. Beachten Sie bei geschäftlichen Gesprächen und insbesondere Verhandlungen die oben erwähnten Kommunikationsregeln. Chinesen lieben es, zu handeln. Gewisse Zugeständnisse oder Kompromisse können hier je nachdem hilfreich sein. Über Preise und Kosten wird erst zum Schluss gesprochen.

    Chinesen verhandeln oft zweigleisig. Einerseits werden alle Optionen offengehalten, damit man nichts riskiert und nichts verliert, andererseits wird oft parallel mit mehreren Vertragspartnern verhandelt, die zunächst nichts voneinander wissen. Jedes Detail wird aufmerksam analysiert, die Vor- und Nachteile werden abgewogen. Fehler werden aus Angst vor Gesichtsverlust selten eingeräumt, was viel Geduld und Fingerspitzengefühl des Gesprächspartners erfordert. Je nachdem bietet es sich daher an, dem anderen zumindest einen gewissen Vorteil einzuräumen, damit er bei seinen Vorgesetzten und anderen Beteiligten einen «Erfolg» verkaufen kann. Und sei es nur, dass man die Zahlungsfrist verlängert oder Skonto einräumt.

    Trotzdem sollte man bei Verhandlungen vorsichtig sein mit Kompromissen. Denn in unserem westlichen Verständnis ist es meist erfolgversprechend, wenn man sich in Verhandlungen flexibel zeigt und Kompromisse eingeht, da man davon ausgehen kann, dass das Gegenüber dann seinerseits ebenfalls Zugeständnisse macht. Die Chinesen hingegen nehmen zwar Zugeständnisse gerne an, fühlen sich jedoch nicht verpflichtet, ihrerseits später ebenfalls einen Kompromiss anzubieten, denn am nächsten Tag beginnt für sie alles wieder bei null. Dies geht einher mit der Tendenz, dass Chinesen eine Entscheidung nur gerade für die jetzige Situation fällen. Ist am nächsten Tag etwas anders, dann gilt alles nicht mehr. Möglicherweise bekommen Sie dann zu hören: «Wie kann ich wissen, was morgen ist? Deshalb kann ich gar nicht für morgen entscheiden.» Und morgen muss alles wieder neu ausbalanciert werden.

    Mit Chinesen Geschäfte zu machen, kann also ganz schön kompliziert sein. Dies zeigen auch die Erfahrungen eines Schweizer Ingenieurs in China: «Die Chinesen haben ein total anderes Verständnis von einem Vertrag. Vielleicht sogar eine komplett andere Rechtsauffassung», sagt er. «Wenn sie heute einen Vertrag unterschreiben, können sie schon morgen wieder beginnen, neu zu verhandeln oder Bestimmungen aus dem Vertrag in Frage zu stellen.» Es sei gut möglich, dass dies auf die Geschichte Chinas zurückzuführen ist. Es habe in China nie ein allgemeingültiges Rechtssystem gegeben, denn das Recht wurde jeweils durch die Kaiser oder andere Herrschende bestimmt und konnte sich somit je nach Situation ändern. «Deshalb verlassen sich die Chinesen eher darauf, auf der richtigen Seite zu sein. Beispielsweise bei einem einflussreichen Clan, einer Firma oder einer Partei», meint der Auslandschweizer. «Dies erfordert ein ständiges Ausbalancieren, man muss darauf achten, dass man nicht auf der Verliererseite ist.»
     
  5. Sitten und Gebräuche

    In der chinesischen Kultur spielen Geschenke eine grosse Rolle. Zu Ihrem ersten Treffen mit Ihrem chinesischen Geschäftspartner sollten Sie daher etwas mitbringen. Achten Sie dabei auf die Symbolik von Farben, Objekten und Zahlen. Die Zahl Vier beispielsweise wird aufgrund ihrer Lautung im alten Chinesisch mit dem Tod in Verbindung gebracht. Eine Uhr symbolisiert Vergänglichkeit. Empfohlen werden liebevoll angerichtete oder verpackte hochwertige Spezialitäten und Getränke. Sollten Sie von einem chinesischen Geschäftspartner ein Geschenk bekommen, stellen Sie dieses an einen Ehrenplatz und öffnen Sie es erst später, wenn der Schenkende nicht mehr dabei ist.
     
  6. Kleidung

    Was die Kleidung in der chinesischen Geschäftswelt betrifft, ist Diskretion angesagt. Für Männer sind grauer Anzug, helles Hemd und dezente Krawatte passend. Auch als Frau sollten Sie eher konservative Kleidung tragen und nicht zu viel Haut zeigen. Hosenanzug bzw. Kostüm und geschlossene Schuhe sind eine gute Wahl. Tragen Sie keine Kleidung in Weiss, denn dies ist in China die Trauerfarbe.