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WintersportDas grosse Pisten-Abc

Gehört der Skihelm zur Pflicht? Machen sich Pistenraser strafbar? Und in welchen Fällen kommt die Versicherung auf? Fragen und Antworten von A bis Z zur Sicherheit sowie zum Verhalten auf Schneepisten.

Wer andere mit seinem Fahrverhalten auf der Piste gefährdet, kann sich strafbar machen. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Gefängnisstrafe von drei Jahren.
von aktualisiert am 10. Januar 2018

A wie abseits

Ausserhalb der Piste unterwegs – zahlt die Unfallversicherung?
Ja. Allerdings kann sie ihre Leistungen kürzen. Mit einer Leistungskürzung von mindestens 50 Prozent müssen etwa Verunfallte rechnen, die weder die Lawinenwarnungen berücksichtigt noch die Gelände- und Wetter­verhältnisse studiert haben.

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B wie Bindung

Bindung falsch eingestellt – darf die Versicherung die Leistung kürzen?
Kaum. Eine jährliche Bindungskontrolle ist nicht obligatorisch, die Beratungsstelle für Unfallverhütung empfiehlt allerdings eine. Die Versicherung kann die Leistung nur kürzen, wenn man sich grob fahrlässig verhalten hat – ­etwa wenn man die Bindung nicht neu einstellt, obwohl man massiv zu- oder abgenommen hat oder komplett andere Schuhe verwendet.

C wie Carven

Gilt beim Carven Rechtsvortritt?
Die Schweiz kennt – anders als etwa Italien – keinen Rechtsvortritt auf der Piste. Hier gelten allein die FIS-Verhaltensregeln (siehe unter «F»): Wer von hinten kommt, muss seine Spur so wählen, dass er niemanden gefährdet. Überholen darf man von rechts wie von links – Hauptsache, man hält genügend Abstand.

D wie Diebstahl

Skier vor der Pistenbeiz gestohlen – zahlt die Hausratversicherung?
Ja, wenn man in der Hausratversicherung den Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» abgeschlossen hat. Das ist relativ teuer, und oft ist die Deckungssumme limitiert. Die Versicherung muss dann nur maximal für diesen Betrag einspringen, auch wenn der Schaden tatsächlich grösser ist.

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Eine Hausratversicherung schützt gegen die Risiken Feuer, Wasser und Diebstahl – mit der Zusatzversicherung «einfacher Diebstahl auswärts» auch ausserhalb der vier Wände. Guider zeigt seinen Mitgliedern, welche Zusätze der Hausratversicherung sich im konkreten Fall lohnen können.

E wie Erste Hilfe

Was tun bei einem Skiunfall?

  1. Unfallstelle sichern: Gekreuzte Skier einstecken und eine Person als Warner postieren.
  2. Erste Hilfe leisten: Allgemeinzustand der verletzten Person erfassen, für richtige Lagerung, Wundversorgung und Kälteschutz sorgen.
  3. Rettungsdienst alarmieren: Pistenpatrouille, Rega (Tel. 1414) oder Notruf (144).
  4. Sachverhalt feststellen: Personalien von Beteiligten und Zeugen aufnehmen, Unfallhergang notieren.

F wie FIS-Regeln

Sind die FIS-Regeln verbindlich?
Die zehn Regeln des Inter­nationalen Skiverbands (FIS) halten fest, wie man sich auf der Piste zu verhalten hat. Das sind zwar keine gesetz­lichen Bestimmungen. Trotzdem stützen sich die Gerichte immer dann darauf, wenn sie Unfallhergang und Schuldfrage beurteilen müssen. Denn: Wer die FIS-Regeln verletzt, handelt fahrlässig. Wer fahrlässig handelt, kann für Schäden haftpflichtig werden.

G wie Geld zurück

Beinbruch, schlechtes Wetter – gibts Geld zurück?
Wann der Preis für ein Ski­billett zurückerstattet wird, regeln die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bergbahnen. Häufig ist es bei Unfall oder Krankheit so. Verlangt wird ein Zeugnis – oft von einem ortsansässigen Arzt. Achtung: Geld zurück gibt es nur für die betroffene Person selbst. Auch bei schlechtem Wetter, Lawinengefahr oder Schneemangel bleibt man üblicherweise auf seinem Billett sitzen.

H wie Hotelzimmer

Keine Bergsicht und schmutzig – wie reklamieren?
Wer nicht bekommt, was er gebucht hat, sollte sich sofort beim Empfang beschweren. Wenn der Mangel nicht behoben wird, kann man einen Preisnachlass fordern. Bei allfälligen Streitigkeiten kann die Ombudsstelle der Schweizer Hotellerie vermitteln.

I wie Idiot

Kann man einen rücksichtslosen Pistenraser anzeigen?
Ja. Wer andere mit seinem Fahrverhalten auf der Piste gefährdet, kann sich strafbar machen. Das gilt möglicherweise wie bei einem Raser auf der Strasse als Störung des öffentlichen Verkehrs (Artikel 237 Strafgesetzbuch). Einem Übeltäter droht Gefängnis bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Allerdings: Ein Strafverfahren ist langwierig, und nicht immer reicht die Beweislage für eine Verurteilung aus. Effizienter ist es, den Raser der nächsten Pistenpatrouille zu melden. Diese kann ihm das Ticket entziehen.

J wie Jungtiere & Co.

Wildruhezonen beachten!
Wer markierte Wildruhezonen missachtet, dem können die Bergbahnen das Billett entziehen. Weil man dabei unter Umständen auch kantonale oder kommunale Bestimmungen verletzt, droht Busse.

K wie Kafi Schnaps

Gibt es eine Promillegrenze auf der Piste?
Nein. Aber: Wer betrunken Ski fährt, verhält sich fahrlässig. Bei einem Unfall muss man daher mit Leistungskürzungen der Unfallversicherung rechnen. Ausserdem behalten sich viele Skigebiete in ihren allgemeinen Geschäftsbe­dingungen vor, betrunkenen Fahrern das Skibillett zu entziehen, wenn sie andere gefährden.

L wie Lawine

Eine Lawine geht auf die Piste nieder – haftet die Bergbahn?
Sehr wahrscheinlich. Bahnen sind für die Sicherheit ihrer Pisten verantwortlich. Gefährdete Hänge müssen gesichert oder gesperrt werden. Die Bahn haftet nicht, wenn die Lawine ein aussergewöhn­liches Naturereignis war, das heisst nicht voraussehbar.

M wie Miete

Soll man eine Ski­versicherung abschliessen, wenn man Skier mietet?
Versicherungen gegen Diebstahl und Skibruch sind möglich, aber selten sinnvoll: Gegen Diebstahl muss sich nämlich der Vermieter ab­sichern, und das Risiko für Skibruch ist bei normaler Fahrweise relativ gering.

N wie Nachmieter

Die Ferienwohnung vergebens gebucht – kann man Nachmieter stellen?
Ja. Es gelten die gleichen Regeln wie bei Wohnungsmiete. Der Nachmieter muss zahlungsfähig und bereit sein, den Mietvertrag zu gleichen Bedingungen zu übernehmen.

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Mehr zu Reiseversicherungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer einen längeren Auslandaufenthalt plant oder öfters im Jahr verreist, wird sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, welche Reiseversicherungen er braucht. Guider informiert seine Mitglieder unter anderem darüber, ob sich eine Annullierungskostenversicherung lohnt und was durch den ETI-Schutzbrief gedeckt ist.

O wie oben ohne

Ohne Helm unterwegs – darf die Versicherung die Leistung kürzen?
Nein. In der Schweiz besteht keine Helmtragepflicht. Laut Auskunft der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva) werden keine Leistungen gekürzt, nur weil man ohne Helm unterwegs war. Das ändert selbstverständlich nichts daran, dass ein Helm unbedingt zu empfehlen ist. Vorbildlich: 92 Prozent aller Ski- und Snowboarder fahren bereits «oben mit».

P wie Parkplatz

Lieber den öffentlichen Verkehr benutzen.
Das schont die Umwelt und die Nerven.

Q wie Quote

Wie viele Leute sind auf der Piste unterwegs?
In der letzten Wintersaison verzeichneten die Schweizer Bergbahnen 21,2 Millionen Tagesbesuche. Das ist der niedrigste Stand der letzten 25 Jahre.

R wie Rega

Ist man mit einer Rega-Gönnerschaft für Rettungsflüge versichert?
Nein. Mit der Rega-Gönnerschaft leistet man eine Spende. Man ist weder Mitglied noch versichert und hat daher auch keinen Anspruch auf Rettungs­flüge. Trotzdem profitiert man von gewissen Vorteilen: Die Rega übernimmt jene Kosten, die von niemandem getragen werden, wenn ein Einsatz medizinisch notwendig ist. Zum Beispiel für Rückführungskosten aus dem Ausland, die die Deckungslimiten der Schweizer Versicherungen oft übersteigen.

Die Unfallversicherung kommt nicht für jeden Schaden auf und kann Leistungen...

S wie Skilehrer

Keine Lust mehr – kann man die Skischule absagen?
Ja, allerdings nicht immer ­entschädigungslos. Massgeblich sind die Stornierungs­bedingungen der Skischule. Sie sehen häufig vor, dass man Privatlektionen 24 oder 48 Stunden im Voraus entschädigungslos absagen kann. Bei Wochenkursen sind die Annullierungsbedingungen strenger. 

T wie Transport­kosten

Vom Bergungsschlitten bis zum Heli – wer übernimmt die Transportkosten?
Die notwendigen Kosten für den Transport zum nächst­gelegenen Arzt oder Spital übernimmt die Unfallversicherung. Sogar wenn man sich grob fahrlässig verhalten hat. Verlegungstransporte sind dagegen nur gedeckt, wenn sie medizinisch notwendig sind oder es die familiären Verhältnisse nötig machen. Etwa damit eine Mutter kleiner Kinder in ein Spital in der Nähe ihres Wohnorts verlegt werden kann.

U wie Unfallrisiko

Wie gefährlich sind Ski- und Snowboardfahren?
Gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung verletzen sich jährlich rund 76'000 Ski- und Snowboardfahrer auf Schweizer Pisten. Am häufigsten ist das Knie betroffen (36 Prozent). Nur sieben Prozent der Unfälle sind auf Kollisionen zurückzuführen. Am gefährlichsten ist es übrigens nicht beim ganz grossen Gedränge auf der Piste, sondern bei mitt­lerem Personenaufkommen.

V wie Versicherung

Skiunfall im Ausland: Ist man genügend abgesichert?
Für notfallmässige Behandlungen im Ausland kommt die obligatorische Schweizer Unfallversicherung auf. Bei Rentnern springt die Krankenkasse ein. Beide Versicherungen zahlen grundsätzlich nur bis zum Doppelten, was eine entsprechende Behandlung in der Schweiz gekostet hätte. Ausnahme: Bei Unfällen in EU-/Efta-Staaten ist man gleich versichert wie Versicherte im betreffenden Land. Am besten klärt man die Unfalldeckung vor einer Reise ab. Insbesondere für Länder mit hohen Gesundheitskosten (etwa USA) kann sich eine Zusatzversicherung lohnen.

W wie Wagnis

Was heisst das versicherungstechnisch?
Als Wagnis gilt jede Handlung, mit der man sich einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne Vorsichtsmassnahmen zu berücksichtigen, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass begrenzen würden. Die Folge: Die Unfallversicherung kann ihre Leistungen um 50 Prozent kürzen oder – in besonders schweren Fällen – ganz verweigern, etwa bei einer schweren Tour im Alleingang, bei schlechtem Wetter oder hoher Lawinengefahr und trotz Mahnung durch erfahrene Skitourenführer.

X wie X-Beine

Kann eigentlich jede und jeder auf die Piste?
Grundsätzlich ja. Aber die FIS-Regel Nummer 2 sagt: «Jeder Skifahrer und Snowboarder muss […] seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.»

Y wie Y-Achse

Wie berechnet sich das Gefälle der Piste?
Höhendifferenz (Y-Achse) geteilt durch horizontale Distanz (X-Achse) mal 100. Das Gefälle wird in Prozent angegeben. Der «Lange Zug» in Lech Zürs am Arlberg ist ­eine der steilsten präparierten Piste der Welt.

Z wie Zeuge

Auf der Piste gilt Ausweispflicht.
Jeder Ski- oder Snowboardfahrer, der Zeuge oder Betroffener eines Unfalls wird, muss die Personalien angeben. So sehen es die FIS-Verhaltens­regeln vor. Damit soll die Ermittlung des Unfallhergangs erleichtert werden.

Weitere Infos

Schweizerische Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten: www.skus.ch (mit FIS-Regeln, Richtlinien für Snowboarder und Skifahrer sowie rechtlichen Entscheiden im Schneesport)

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