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Kosten fürs AltersheimWas tun bei steigenden Pflegekosten?

Ein Aufenthalt in einem Alters- und Pflegeheim ist teuer. Erhöht sich die Rechnung, stellt dies Heimbewohner vor Probleme. Die wichtigsten Fragen.

Heimbewohner sollten an den Pflegekosten nicht mehr als 21.60 Franken pro Tag zahlen.
von aktualisiert am 13. April 2018

Wie kann man bei der Monatsrechnung des Altersheims nachvollziehen, wie sich die Kosten im Einzelnen zusammensetzen?
Die Heimleitung sollte die Verrechnungsposten separat auflisten. Die Kosten gliedern sich in der Regel in vier Punkte: Pflege, Betreuung, Hotellerie (inklusive Pension) und Nebenkosten. Die ersten drei Kostenpunkte werden meistens als Pauschalbeträge ausgewiesen, die von kantonalen Vorgaben abhängig sind. Die Tagespauschale hängt von der Pflegestufe ab. Jedoch können bei den drei Kostengruppen auch weitere Leistungen anfallen, die nicht mit den Pauschalbeträgen abgegolten sind. In diesem Fall müssen diese Leistungen in der Taxordnung erwähnt sein und können zusätzlich in Rechnung gestellt werden.
 

Welche Kostenpunkte werden von der Krankenkasse und der öffentlichen Hand mitfinanziert und was muss man selber bezahlen?
Der Beitrag der Heimbewohner an die Pflegekosten sind gemäss Schweizerischem Krankenversicherungsgesetz (KVG) auf maximal 21.60 Franken pro Tag begrenzt, zuzüglich Franchise und Selbstbehalt. Den Rest der Pflegekosten übernehmen die Krankenversicherung (maximal 108 Franken pro Tag bei der höchsten Pflegestufe) sowie Kanton und Gemeinde. Für Hotellerie und Betreuung muss der Bewohner selber aufkommen oder kann – je nach Einkommen und Vermögen – auf Ergänzungsleistungen zurückgreifen (siehe weiter unten «Voraussetzungen für den EL-Bezug»). Für Nebenkosten – meist für medizinische Auslagen wie Arzneimittel oder Therapie – kommt die Krankenversicherung auf. Getränke und Telefonrechnungen werden über Hotellerie und Betreuung abgerechnet.

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Wir können nicht nachvollziehen, wie das Altersheim den Pflegeaufwand unseres Vaters berechnet. Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Besa-Punktesystem?
Alle pflegerischen Leistungen werden mit einem sogenannten Pflegebedarfsinstrument gemessen. Die Basis dafür bildet eine ärztliche Verordnung, die den täglichen Pflegebedarf des Heimbewohners in Minuten einschätzt. Je pflegebedürftiger eine Person ist, desto mehr Zeit braucht das Personal und desto höher die Pflegestufe. Diese geht von 1 (wenig bis gar keine Pflege) bis 12 (sehr starke und intensive Pflege). Pro Pflegestufe wird ein Aufwand von 20 Minuten angenommen. Besa ist eines von drei Berechnungsinstrumenten (neben Q-SYS und Plaisir), das in der Schweiz nach dem KVG Anwendung findet. Der Pflegebedarf wird alle sechs Monate oder je nach Veränderung des gesundheitlichen Zustands neu evaluiert. Die ärztliche Beurteilung muss dokumentiert sein und kann durch den Heimbewohner eingesehen werden.

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Um Ergänzungsleistungen (EL) zu beziehen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Guider zeigt seinen Mitgliedern nicht nur, welche das sind, sondern führt auch mit Fallbeispielen auf, welche Auswirkungen eine Hausübertragung hat und welche Rechtsmittel bei einem negativen Entscheid offenstehen.

Die Pflegestufe meiner Mutter wurde kürzlich hochgesetzt, obwohl sich ihr Zustand nicht arg verschlimmerte. Die Pflegekosten steigen deshalb. Kann man hierzu nicht eine ärztliche Zweitmeinung einholen?
Auch für Heimbewohner gilt die freie Arztwahl, es sei denn, Ihre Mutter hat in der Eintrittserklärung schriftlich auf den Beizug des Hausarztes verzichtet. Alters- und Pflegeheime arbeiten jedoch meist mit speziellen Ärzten zusammen, weil diese in medizinisch-pflegerischer Hinsicht besser einschätzen können, welche Betreuung notwendig ist. Wenn Sie mit der neuen Pflegestufe nicht einverstanden sind, sollten Sie zuerst mit der Pflegeverantwortlichen und dem Arzt sprechen. Sie können Ihnen am besten erklären, welcher Pflegebedarf aufgrund der ärztlichen Verordnung für das Heim und für das Personal angemessen ist. Sollte sich bei einer ärztlichen Zweimeinung herausstellen, dass der Bedarf tiefer ist, müsste die Pflegestufe erneut durch die Evaluierungsinstrumente ermittelt werden.
 

In der Monatsrechnung unseres Vaters stellen wir fest, dass sich seine Pensionskosten über die letzten Jahre stetig erhöht haben, ohne dass auch nur irgendwelche baulichen Investitionen gemacht wurden. Ist das wirklich legitim?
Viele Alters- und Pflegeheime kämpfen gegen steigende Kosten. Durch die erhöhte Lebenserwartung und weil Menschen erst dann in ein Heim eintreten, wenn sie stärker pflegebedürftig werden, sind die Institutionen auf besser geschultes Personal angewiesen. Trotz Mehrkosten bei der Pflege und den stagnierenden Beiträgen der öffentlichen Hand und der Krankenkasse muss ein Heim immer noch rentieren. Daher kann es sein, dass die Einrichtungen versuchen, das Geld über eine andere Kostenstelle wie die Pension oder die Betreuung wieder hereinzuholen. Das ist gesetzlich zwar nicht erlaubt, aber für Sie als Angehörige sehr schwer direkt nachzuweisen.

60 Prozent der Heimbewohner sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen
 

Sie könnten deshalb probieren, eine neue Pflegeinstitution für Ihren Vater zu finden, bei der die Pensionskosten tiefer liegen. Erfahrungsgemäss ist jedoch ein Umzug für pflegebedürftige Personen keine gute Lösung, da dies mit viel Stress verbunden ist und sich Ihr Vater wieder an eine neue Umgebung gewöhnen müsste. Der beste Rat ist daher, die zusätzlichen Kosten aus der Pension einfach der Ausgleichskasse zu melden, damit die Beiträge aus den Ergänzungsleistungen an den tatsächlichen Kosten angepasst werden. Melden Sie eine Änderung jedoch frühzeitig genug, da die Anpassung des anzurechnenden Vermögens Ergänzungsleistungen Gibts mehr EL, wenn Vermögen sinkt? und somit die Berechnung der EL nur einmal im Jahr erfolgt. Falls Ihr Vater bisher keine Ergänzungsleistungen bezogen hat, können Sie aufgrund der höheren Pensionskosten prüfen, ob er dazu nicht berechtigt wäre.
 

Welche Voraussetzungen müssen für den Bezug von Ergänzungsleistungen erfüllt sein?
Ungefähr 60 Prozent der Heimbewohner sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Für die meisten ist ein Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim mit deutlich höheren Ausgaben verbunden, da man monatlich schnell einmal 9000 Franken und mehr bezahlt. Damit jemand Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL) Lebensunterhalt Wer kann Ergänzungsleistungen beantragen? hat, werden die jährlichen Einnahmen den Ausgaben gegenüberstellt, wobei für Alleinstehende ein Freibetrag beim Bruttovermögen von 37'500 Franken und bei Ehepaaren von 60'000 Franken gilt. Der Rest des Vermögens wird in den meisten Kantonen zu einem Fünftel den Einnahmen zugeschlagen. Heimbewohner müssen also nicht erst ihr ganzes Vermögen aufbrauchen, bevor sie EL beziehen können. Für die Ausgaben im Heim wird der Eigenanteil des Bewohners an die Pflege angerechnet sowie ein vom Kanton festgelegter Tagesansatz an die Pension und für persönliche Auslagen. Aus der Differenz der Ausgaben und der Einnahmen ergibt sich der Betrag für die Ergänzungsleistungen.
 

Meine Mutter kommt mit den finanziellen Angelegenheiten des Heimaufenthalts nicht mehr zurecht. Was müssen wir tun, damit wir in ihrem Sinne Entscheidungen treffen und Rechnungen fristgerecht bezahlen können?
Wenn es nur darum geht, den Zahlungsverkehr für Ihre Mutter zu erledigen Urteilsfähigkeit Genügt eine Vollmacht für Mutters Finanzen? , reicht eine Spezialvollmacht aus. Wenn Sie auch in anderen Geschäften Ihre Mutter vertreten wollen, ist eine Generalvollmacht besser. Bei Guider finden Sie entsprechende Mustervorlagen (siehe weiter unten). Diese Vorkehrungen sind aber nur solange ausreichend, wie Ihre Mutter urteilsfähig bleibt. Daher kann es sich lohnen, zusätzlich zur Vollmacht einen Vorsorgeauftrag aufzusetzen.
 

Bezahlt man auch im Alters- und Pflegeheim weiterhin Billag-Gebühren?
In der Regel ist die Radio- und Fernsehgebühr geschuldet, solange im Zimmer ein solches Empfangsgerät bereitsteht. Allerdings kann es sein, dass Sie trotzdem von der Billag-Gebühr befreit Ergänzungsleistungen Sind wir von den Billag-Gebühren befreit? sind, wenn Sie Ergänzungsleistungen beziehen oder als stark pflegebedürftige Person gelten (ab einem täglichen Pflegebedarf von 81 Minuten). In diesem Fall müssten Sie bei der Billag einen Antrag auf Gebührenbefreiung stellen und durch das Heim die Pflegebedürftigkeit nachweisen. Das entsprechende Formular finden Sie bei der Billag.

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Für Mitglieder von Guider gibt es hilfreiche Vorlagen für eine Vollmacht. Wollen Sie jemanden beauftragen, der Sie nur bei einer bestimmten Handlung vertritt, zum Beispiel bei finanziellen Angelegenheiten, ist die Spezialvollmacht geeignet. Wer hingegen eine Vertretung für alle Arten von Rechtsgeschäften benötigt, sollte dies mit der Generalvollmacht tun.

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2 Kommentare

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piepmatz
Frauen haben meistens ca. Fr. 4' 300.- Eigenmittel (AHV/Pens.), die sie an die Kosten beisteuern müssen. Der Rest wird Durch EL und Krankenkasse gedeckt. Bleiben sie aus irgend einem Grund (falsche Beurteilung usw.) in der Stufe 2 (RAI-System) hängen, bezahlen sie Im Kt. BS von den Fr. 37'500.- weiter bis zu Fr . 4'000.- Einkommenssteuer pro Jahr. In dieser Stufe sind keinerlei Steuerabzüge möglich. Das ist vielen Pensionären und Angehörigen nicht bewusst.
bttreu
Das Buch Wohnen und Pflege im Alter stammt aus dem Jahre 2011. Kann kaum mehr die aktuelle (2018) Lage/Gegebenheiten beschreiben. Wann erscheint eine aktuelle Neuauflage?????