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Seitensprung«Er will Sex mit anderen Frauen»

Frage: «Dass mein Mann mal ins Bordell geht, damit könnte ich noch leben. Er findet aber, ich müsse ihm auch gönnen, mit Nichtprofessionellen zu schlafen – in meiner Gegenwart. Muss ich das akzeptieren?»

von

Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSH:

Nein, das müssen Sie nicht. Die Wünsche Ihres Mannes brauchen Ihnen selbstverständlich nicht Befehl zu sein. Sagen Sie ihm deutlich, was für Sie möglich ist und was für Sie nicht in Frage kommt. In einer modernen Partnerschaft braucht es zwar keine sexuellen Tabus mehr zu geben, aber die unumstössliche Regel lautet: Nichts darf auf Kosten des Partners gehen. Keiner soll wegen der Vorlieben des andern leiden müssen, auch nicht seelisch. Wenn Sie, wie Sie schreiben, offen deklarieren, dass Sie nichts gegen Bordellbesuche haben, hat Ihr Mann ja bereits das Glück, eine sehr tolerante Partnerin zu haben.

Wieso boomt das Sexangebot derart in unserer Gesellschaft? Sind die Menschen nicht dafür geschaffen, einem Partner, einer Partnerin sexuell treu zu sein? Oder schafft erst das Angebot die Nachfrage? Gibt es Pornofilme, Sexshops, Telefonsex, Sexsalons und so weiter, weil Menschen das brauchen, oder wird das alles nur begehrt, weil dafür geworben wird? Haben Männer einen natürlichen Hang zur «Vielweiberei», und wollen Frauen immer nur einen Partner?

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Frauen gehen gleich oft fremd

Das Angebot des Sexgewerbes ist zweifellos auf Männer zugeschnitten. Umfragen zeigen aber, dass Seitensprünge bei Frauen und Männern gleich häufig sind, Frauen haben sogar etwas seltener ein schlechtes Gewissen dabei. Jeder zweite Schweizer, jede zweite Schweizerin ist schon mal fremdgegangen. Kein Wunder, dass es auch dafür bereits ein spezialisiertes Angebot gibt: «Vertrauen auch Sie der grössten Kontaktagentur für einen anonym und diskret organisierten Seitensprung», heisst es zum Beispiel in einer einschlägigen Werbung.

Zurück zur Natur des Menschen: Sie ist nicht wirklich bestimmbar, weil sich unser Wesen sowohl aus Erbanlagen als auch aus den Umwelteinflüssen entwickelt hat. Und als drittes Element kommen auch noch Selbstentfaltung und Selbststeuerung dazu.

Mit Sicherheit beruht die Sexualität auf einem genetisch angelegten Antrieb. Sie muss eine sehr starke Kraft sein, denn ihre biologische Aufgabe ist es, die Erhaltung der Art unter allen Umständen zu sichern. Tief in uns drin hat die Sexualität also bestimmt eine animalische Komponente, die wahrscheinlich ziemlich anarchistisch nur Lust will und keine Moral hat. Die menschliche Gattung konnte aber auch nur überleben, weil wir von Grund auf soziale Wesen sind, uns in Gruppen, später in Staaten, in Zivilgesellschaften organisieren. Das funktioniert nur, weil wir einander vertrauen können.

Beides gilt auch für die Partnerschaft: Wir wünschen uns freie Verliebtheit und Lust, spielerische, erfüllte Sexualität – aber wir möchten auch vertrauen können, wir erwarten Treue.

Ist der Kitzel das Risiko wert?

Lässt sich das vereinbaren? Kann man treu sein und zugleich seine sexuellen Wünsche ungehindert ausleben? Am einfachsten geht das wohl in der Phantasie: Die Gedanken sind frei. Ob auch Seitensprünge möglich sind, ohne dass das Vertrauen ineinander verlorengeht, hängt von der individuellen Partnerschaft ab. Paare können aushandeln, was drinliegt und was nicht.

Gibt es, wie der US-Psychologe Arnold Lazarus behauptet hat, ein Gesetz der ehelichen Untreue? Demnach entsteht durch das Zusammensein zwangsläufig eine sogenannte Habituation: Weil man sich ans Aufregende gewöhnt, ist es immer weniger aufregend, und man sucht dann eben einen Kick im Seitensprung, der schon mal den Reiz des Neuen hat.

Ist es aber dieser Kitzel wert, das Vertrauen in der Partnerschaft zu gefährden? Die Antwort der heutigen Jugend ist eindeutig: Der Psychologieprofessor Guy Bodenmann hat vor einigen Jahren 300 Jugendliche mit Durchschnittsalter 17 zur Bedeutung von Paarbeziehungen befragt. 94 Prozent gaben an, dass für sie Treue sehr wichtig sei.

Veröffentlicht am 14. Februar 2011

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8 Kommentare

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Andi
"Nein, das müssen Sie nicht. Die Wünsche Ihres Mannes brauchen Ihnen selbstverständlich nicht Befehl zu sein. ... die unumstössliche Regel lautet: Nichts darf auf Kosten des Partners gehen. Keiner soll wegen der Vorlieben des andern leiden müssen, auch nicht seelisch." Warum müssen eigentlich immer die Männer auf die Befindlichkeiten der Frauen rücksicht nehmen? Reicht es denn der Frau nicht aus, dass er immer wieder zu ihr zurückkommt? Wenn ER nun einmal für sein seelisches Gleichgewicht den "nicht-bezahlten-Sex" braucht, wäre es doch egoistisch von ihr ihn so leiden zu lassen, oder? Man kann auch ruhig mal Fragen, warum befriedigt sie seine Bedürfnisse nicht? Was macht sie falsch? Warum leidet er seelisch unter ihr?
Maria
"Dass mein Mann mal ins Bordell geht, damit könnte ich noch leben" und wenn er mehr möchte sollen Sie das nicht akzeptieren ein Mann meint er könne alles haben. Sie sind genug Tolerant. Sonst suchen Sie sich einen jungen gutausehenden Typen und zeigen Sie ihm wie es ist! Ich kenne jemanden der echt gut aussieht und auf ältere Frauen steht ;) Machen Sie sich chick und gehen Sie in Clubs um Ihr Ego zubefriedigen, so tut es Ihr Mann ja auch :) schlussendlich sind wir ja alle Egoisten und wollen für uns nur das Beste.
Bea
Logisch gedacht, Hr. Berger, sie haben aber nicht zu Ende gedacht. Denn im Patriarchat lebende Frauen möchten demzufolge ja auch nicht, dass sie das Vermögen (Erbe) ihrer Männer, die sie mehrere Jahrzehnte lang gratis bedient und unterstützt haben, dann mit irgendwelchen Kindern von fremden zweit-, dritt- und viert-Frauen inklusive deren Mütter teilen müssen. So manche treue und fleissige Frau wurde für ihre jahrzehntelange Arbeit schon mal mit dem sprichwörtlichen „Tritt in den A….“ belohnt. Darum kann ich mir den Wunsch der Ehefrauen nach Treue durchaus nachvollziehen.
Herbert Berger
Monogamie ist bestimmt keine Erfindung des Matriarchates Wozu auch? Hingegen hat das Patriarchat sehr wohl ein Interesse an der Monogamie, spätestens seit der Mensch (Mann) Besitztümer sein eigen nennt. Dank der Monogamie hat der Mann Gewissheit (solange die Frau auch wirklich treu ist...), dass er seien Besitz nicht einem Kind, das nicht sein eigenes ist, vererbt. Die vom Patriarchat "benötigte" Monogamie ist aber nur auf Seiten der Frauen zwingend, denn gleichzeitig ist der Mann ja auch bestrebt, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen, und seinen Genpool somit möglichst breit zu streuen. Es ist also nur wichtig, dass der Mann weiss, dass die Kinder seiner Frau auch wirklich seine Kinder sind. Zum Glück leben wir nicht mehr in der Bronzezeit...