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Kinderbetreuung: Profis ins Spiel bringen

Berufstätigen Müttern bieten sich diverse Einrichtungen für die Betreuung ihrer Kinder an – bei der Wahl sollten die Bedürfnisse der Kleinen entscheidend sein.

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Fünfmal? Zehnmal? Marina Anesini kann sich nicht mehr erinnern, wie oft sie den Satz hörte: «Wozu hast du denn Kinder, wenn du sie von jemand anderem betreuen lässt?» «Da musste ich einfach genügend Selbstvertrauen an den Tag legen, um meinen eigenen Weg zu gehen», blickt die selbstständige Managementberaterin zurück. Denn für sie war immer klar, dass sie auch als Mutter von zwei Kleinkindern berufstätig sein will.

Rund 350000 Kinder werden heute regelmässig ausserhalb des Elternhauses betreut, gut die Hälfte davon von den Grosseltern. Diese leisten etwa 100 Millionen Betreuungsstunden im Jahr. Abgesehen davon, dass diese Stunden meist unentgeltlich sind, gilt der generationenübergreifende Kontakt auch pädagogisch als sehr wertvoll.

Kinder profitieren von Gleichaltrigen

Weitere zehn Prozent der Kinder werden von Freunden, Bekannten und Nachbarn betreut. Der Rest verteilt sich auf eine Palette von Betreuungsstätten wie Kinderkrippen, Horte oder Tagesfamilien (siehe Nebenartikel: «Betreuungsstätten: Die Einrichtungen unterscheiden sich nach Altersgruppen und Angebot»).

So gross die Zahl der familienextern betreuten Kinder ist, so gross sind noch immer die Vorbehalte gegenüber diesen Betreuungsformen – obwohl die Wissenschaft inzwischen zahlreiche Hinweise geliefert hat, dass die Kleinen davon überwiegend profitieren. Dank der frühen geistigen, sozialen und sprachlichen Förderung haben es extern betreute Kinder zum Beispiel später leichter in der Schule. Diese Erfahrungen hat auch Anesini gemacht: «Der sechsjährige Nicola und die dreijährige Gillian sind selbstständiger als Gleichaltrige – und sie erleben mehr.»

Vor allem für Einzel- und Migrantenkinder ist der frühe Austausch mit Kindern der gleichen Altersgruppe von Vorteil: Das Kind lernt, sich im sozialen Gefüge zu behaupten, zu teilen und Rücksicht zu nehmen. Die Angst, dass sich das eigene Kind von Mutter und Vater entfremdet, ist unbegründet: Fachleute sind sich einig, dass der elterliche Einfluss auch nach Jahren regelmässiger Fremdbetreuung deutlich höher bleibt als der Einfluss von aussen.

Doch wie findet man die passende Betreuungsstätte? Wer sein Kind in professionelle Obhut geben muss oder will, sollte vorgängig einige Fragen klären:

  • Bietet die Betreuungsstätte genügend Raum? Neben einer Fläche für Aktivitäten sollte auch die Möglichkeit zum Rückzug bestehen, ebenso ein ungefährlicher Zugang zu einem Spielplatz im Freien.
  • Werden anregende Spielmaterialien und -möglichkeiten angeboten? Das Spiel ist die Domäne des Kindes: Hier erfährt es sich selbst, die anderen und seine Umwelt. Kinder brauchen deshalb Möglichkeiten, sich körperlich, sprachlich und musisch auszudrücken.
  • Wie viele Kinder sind in einer Gruppe? Eine zu grosse Kinderschar überfordert nicht nur manche Betreuerin, sondern auch die Kinder. Ideal sind acht bis zehn Kinder pro Gruppe mit zwei Betreuerinnen. In Kleinkindergruppen und Tagesfamilien sollten es weniger sein.
  • Sind ausreichend qualifizierte Betreuungspersonen vorhanden? Auch zu «Stosszeiten» sollten immer genügend Fachleute präsent sein. Häufiger Teamwechsel ist ungünstig, denn Kinder brauchen dauerhafte und konstante Beziehungen.
  • Wie hoch ist das Eintrittsalter? Im Alter von acht bis zwölf Monaten sowie von zwei Jahren reagieren Kinder besonders sensibel auf den Wechsel einer Bezugsperson. Einrichtungen, die so junge Kinder aufnehmen, sollten auf dieses Alter fachlich vorbereitet sein.
  • Nach welchem pädagogischen Konzept wird gelebt? Vor Eintritt des Kindes in die Gruppe sollte ein Eingewöhnungsplan besprochen werden. Ebenso sollten Regeln für das Verhalten beim Bringen und Abholen des Kindes festgelegt werden. Achten Sie darauf, wie mit den Kindern kommuniziert wird und ob man Sie über die Erlebnisse des Kindes informiert.
  • Hat die Betreuungsstätte eine Trägerschaft, zum Beispiel einen Verein oder die Gemeinde? Die Trägerschaft stellt die Krippenleitung an, kontrolliert den Betrieb und sichert die Finanzierung. Bei Problemen hilft die Trägerschaft, eine Lösung zu finden.

Zu wenig Männer in Erziehungsjobs

«Am häufigsten kommt es zu Spannungen, wenn die Zahl der Betreuenden zu klein oder deren Qualifikation mangelhaft ist», sagt Stephan Immoos, Geschäftsleiter der Fachstelle Kinderbetreuung in Luzern. Ein Warnsignal sei zum Beispiel, wenn ein Kind von einem Platz zum nächsten geschoben oder sich selbst überlassen werde. Auch arbeiteten zu wenig Männer in Erziehungsberufen. Und für Jugendliche bestehe ein genereller Mangel an Betreuungsstätten.

1999 übernahm Marina Anesini zusammen mit ihrem Mann die administrative Leitung der Kinderkrippe Yoyo in Wallisellen: Kaum hatte sich ihr Sohn an die Betreuungsstätte gewöhnt, drohte deren Schliessung. Ohne die Initiative der beiden Eltern wären 24 Kinder buchstäblich auf der Strasse gestanden. «Der Einsatz hat sich gelohnt», sagt Anesini, «denn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Familie und Beruf ist entscheidend für die eigene Zufriedenheit – und sorgt auch für eine entspannte Familienatmosphäre.»

Weitere Infos

www.profamilia.ch

www.familienplattform.ch

www.childcare.ch

www.familienservice.ch

www.spielgruppe.ch

www.projuventute.ch

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Veröffentlicht am 11. September 2003