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TrennungSo einigen sich Unverheiratete beim Kindesunterhalt

Unverheiratete Eltern müssen vereinbaren, wer wie viel für die Betreuung der Kinder zahlt. So gehts – einfach, gütlich und gerecht.

Wie unverheiratete Eltern den Unterhalt fürs Kind einfach berechnen können.
von aktualisiert am 12. Oktober 2017

Wenn Eltern sich trennen, ist das schon schwierig genug. Unverheiratete Paare müssen sich spätestens dann auch noch über den Kindesunterhalt verständigen. Wenn sie sich nicht einigen können, muss das Gericht entscheiden – und das kann dauern. Zudem ist die Berechnung unklar und uneinheitlich (siehe «Zürcher Kinderkostentabelle» sowie die Guider-Box «Berechnung des Kindesunterhalts», exlusiv für Mitglieder). Denn seit Anfang Jahr sind neue Bestimmungen in Kraft.

Bisher galt: Der nicht betreuende Elternteil schuldet den sogenannten Barunterhalt für das Kind. Dieser umfasst die Kosten für seine Ernährung, Bekleidung, Unterkunft, Krankenkasse, Schulung, für Kommunikation, ÖV sowie Fremdbetreuung. Neu ist allenfalls auch ein sogenannter Betreuungsunterhalt geschuldet, wenn ein Elternteil das Kind betreut. Wie dieser ausgerechnet wird, sagt das Gesetz nicht. Daher haben Fachleute gespannt auf die ersten Gerichtsurteile gewartet.

Diese liegen nun vor. Danach gehen alle Gerichte bei ihren Berechnungen von den Lebenshaltungskosten jenes Elternteils aus, der das Kind betreut. Einige Kantone setzen dafür eine Pauschale fest, andere berechnen sie auf der Basis des familienrechtlichen Existenzminimums – wie das bei Scheidungen und Trennungen bisher schon gemacht wurde. Die Gerichte kommen so auf etwa 2600  bis gut 3000 Franken pro Monat.

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Mehr zur Berechnung des Kindesunterhalt bei Guider, dem digitalten Berater des Beobachters

Wie die einzelnen kantonale Gerichte den Betreuungsunterhalt berechnen und welche Methode angewandt wird, sehen Mitglieder von Guider in der Checkliste «Berechnung des Betreuungsunterhalts nach Kantonen».

Zwei Methoden für die Berechnung

Dann gibts zwei Berechnungsmethoden. Die einen Gerichte berücksichtigen das Einkommen des Betreuenden. Er erhält nur Betreuungsunterhalt, wenn er seine Lebenshaltungskosten mit seinem Einkommen nicht decken kann – die Lebenskostenmethode.

Die anderen Gerichte gehen nach der Betreuungsquotenmethode. Sie berücksichtigen das Einkommen des Betreuenden nicht, sondern legen den Betreuungsunterhalt proportional zur geleisteten Betreuung fest. Bei 100 Prozent Betreuung sind die ganzen Lebenshaltungskosten geschuldet, bei 50 Prozent die Hälfte.

Aufgrund der bisherigen Gerichtsentscheide empfehlen die Beraterinnen und Berater des Beobachters unverheirateten Eltern folgendes Vorgehen, um die Kinderalimente gütlich und ohne grosse Rechnerei miteinander zu vereinbaren.

7 Empfehlungen für die Berechnung des Kindesunterhalts

1. Rechnen Sie mit einem Pauschalbetrag
Gehen Sie beim Lebensbedarf des betreuenden Elternteils von einem Pauschalbetrag von 2600 bis 3000 Franken aus – je nach Wohnkanton und Lebensverhältnissen.
 

2. Legen Sie den Betreuungsunterhalt im Verhältnis zur Betreuung fest
Bei 100 Prozent Betreuung ist der ganze Pauschalbetrag als Betreuungsunterhalt geschuldet, bei 50 Prozent die Hälfte. Wie viel der betreuende Elternteil verdient, spielt keine Rolle.
 

3. Ab Schuleintritt ist Teilzeitarbeit zumutbar
Der betreuende Elternteil muss keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, bis das jüngste Kind in die Primarschule eintritt; deshalb schuldet ihm der andere Elternteil bis zu diesem Zeitpunkt den ganzen Pauschalbetrag als Betreuungsunterhalt. Anders sieht es aus, wenn die betreuende Person schon vorher berufstätig ist. Sobald das jüngste Kind in die Primarschule kommt, ist dem betreuenden Elternteil je nach Wohnregion eine Teilzeitarbeit von bis zu 50 Prozent zuzumuten; ab dem 16. Geburtstag des Kindes dann ein Vollzeitpensum.
 

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4. Bei mehreren Kindern: Teilen Sie den Betreuungsunterhalt dem Jüngsten zu
Eine Aufteilung auf mehrere Kinder ist kompliziert, weil ältere weniger Betreuung brauchen.
 

5. Stützen Sie sich beim Barunterhalt auf die Zürcher Kinderkostentabelle
Allenfalls passen Sie die Zahlen (siehe «Zürcher Kinderkostentabelle», unten) an die tieferen Lebenshaltungskosten in Ihrem Wohnkanton an. So schlägt etwa der Aargau vor, die in der Zürcher Tabelle genannten Wohnkosten um 20 bis 30  Prozent zu kürzen, die übrigen Positionen um 10 bis 25 Prozent.
 

Zürcher Kinderkostentabelle

Weitere Informationen finden Sie in der Zürcher Kinderkostentabelle mit statistischen Vergleichswerten zur Berechnung des Kindesunterhalts.

6. Teilen Sie den Barunterhalt im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit auf
Wenn der betreuende Elternteil mit seinem Einkommen seinen Lebensbedarf nicht oder nur knapp decken kann, muss er sich nicht an den Barunterhaltskosten beteiligen. Ansonsten gilt: Teilen Sie sie proportional zur Finanzkraft auf. Berücksichtigen Sie dabei auch die Betreuungszeit am Abend und an den Wochenenden. Wer dann mehr Betreuungsarbeit übernimmt, sollte weniger zahlen müssen.
 

7. Machen Sie den Fairness-Check
Prüfen Sie, ob die Lösung insgesamt fair ist und ob der unterhaltspflichtige Elternteil den berechneten Kindesunterhalt finanziell tragen kann. Das Existenzminimum muss ihm auf jeden Fall belassen werden. Wenn Sie keinen ausreichenden Kindesunterhalt festlegen können, halten Sie die Differenz im Vertrag fest. Falls sich die finanzielle Situation des Pflichtigen verbessert, muss er die ausstehenden Alimente der letzten fünf Jahre nachzahlen.

Kindesunterhalt – ein kleines Rechenbeispiel

Urszula und Patrick leben im Kanton Zürich. Sie sind unverheiratet und haben einen dreijährigen Sohn. Nun wollen sie sich trennen. Urszula ist Ausländerin, spricht kaum Deutsch und war bisher nicht berufstätig. Patrick verdient 8000 Franken im Monat.

Für den Barunterhalt kommen sie gemäss Zürcher Kinderkostentabelle (Empfehlung 5) auf 1231 Franken. Davon wird die Kinderzulage abgezogen.

Beim Betreuungsunterhalt gehen sie davon aus, dass man etwa 3000 Franken pro Monat zum Leben braucht (Empfehlung 1). Weil Urszula 100 Prozent betreut, zahlt Patrick den ganzen Betrag (Empfehlung 2). Total zahlt er monatlich 4031 Franken Unterhalt. Zusätzlich überweist er die Kinderzulage von 200 Franken. Bei einem Einkommen von 8000 Franken ist ihm das möglich – sein eigener Lebensbedarf ist gedeckt (Empfehlung 7).

Sobald der Sohn in die Primarschule kommt, kann Urszula zu 50 Prozent berufstätig sein (Empfehlung 3). Dann wird sich der Betreuungsunterhalt auf 1500 Franken halbieren (Empfehlung 2). Es spielt keine Rolle, wie viel Urszula dann effektiv verdient. Der Barunterhaltsbeitrag steigt für einen Siebenjährigen gemäss Zürcher Kinderkostentabelle auf 1481 Franken. Dazu kommen 400 Franken Fremdbetreuungskosten wegen der Berufstätigkeit von Urszula. Da Urszula mit einem 50-Prozent-Pensum ihren Lebensunterhalt nicht selber wird decken können, muss sie sich nicht an den Barunterhaltskosten beteiligen (Empfehlung 6).

Sobald der Sohn in die Primarschule geht, muss ihm Patrick also noch 3181 Franken Unterhalt pro Monat zuzüglich die Kinderzulage von 200 Franken bezahlen. Auch das ist angesichts seines Einkommens ein fairer Betrag (Empfehlung 7).

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Nach einer Scheidung stellt sich häufig die Frage nach der Höhe der Alimente für den Ex-Ehegatten und die Kinder. Guider zeigt seinen Mitgliedern mit verschiedenen Merkblättern, wie sie den Unterhalt regeln, die Abmachungen wieder ändern können und was zu tun ist, wenn Beiträge des Unterhaltspflichtigen nicht bezahlt werden.

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