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Krankenkasse

Sind Sie überversichert?

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Zusatzversicherungen bei der Krankenkasse sind eine gute Sache – man sollte sie aber regelmässig überprüfen. Denn schnell ist man überversichert.

von aktualisiert am 07. Juli 2017

Sie sind wieder aktiv, die Makler für Krankenversicherungen, und bieten Beratung an. Doch auf eine solche können Sie derzeit getrost verzichten. Wenn Sie klären wollen, ob es bei Ihren Zusatzversicherungen etwas zu optimieren gibt, müssen Sie sich auf jeden Fall selber intensiv mit Ihrer Versicherungssituation auseinandersetzen. Sonst kaufen Sie die Katze im Sack – der Teufel steckt in den Vertragsbedingungen.

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So beurteilen Sie Ihre Zusatzversicherungen

1. Studieren Sie Ihre Unterlagen

Lesen Sie sämtliche Vertragsbedingungen (die allgemeinen und die besonderen) aller Zusatzversicherungen durch. Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn es viel Material ist und Sie nicht alles sofort verstehen.

2. Klären Sie Ihre Bedürfnisse

Markieren Sie, welche Leistungen Sie für sich persönlich nötig finden und welche nicht. Überlegen Sie sich bei jedem Punkt, ob Sie diese Leistungen schon mal in Anspruch genommen haben, je in Anspruch nehmen wollen – oder eher nicht.

Beispiel: Der 70-jährige Emil M. braucht garantiert keine Zahnstellungskorrektur mehr, während Emilie H. nie eine Badekur machen wird, weil sie Angst vor Wasser hat. Und Julius Z. wird bestimmt nie ins Rückbildungsturnen nach einer Geburt gehen.

3. Forschen Sie nach Doppelspurigkeiten

Zusatzversicherungen werden als fertige Pakete angeboten. Oft sind Elemente drin, die man über eine andere Versicherung bereits abgedeckt hat und also nicht braucht. Leider kann man einzelne Elemente meist nicht aus dem Paket herausstreichen. Vermerken Sie solche Doppelversicherungen. Klären Sie ab, bei welcher Versicherung Sie das bessere Angebot haben.

Beispiel: Kosten von medizinisch notwendigen Transporten und Rettungen sind sowohl über Zusatzversicherungen als auch über spezielle Reiseversicherungen abgedeckt.

4. Überprüfen Sie Preis und Leistung

Überprüfen Sie genau, wie die Leistungen im Einzelfall ausgestaltet sind: Wie viel wird vergütet? Pro Fall oder pro Jahr? Gibt es einen Selbstbehalt? Wartetage? Werden Leistungen anderer Versicherungen in Abzug gebracht?

Beispiel: Verena W. hat eine Pflegeversicherung abgeschlossen. Diese zahlt aber erst nach 180 Krankheitstagen. Was sie von der Zusatzversicherung bekommt, wird ihr dann auch noch als Einkommen an die Berechnung der Ergänzungsleistungen angerechnet. Daher hat sie unter dem Strich nichts von der Versicherung.

5. Prüfen Sie die Behandlungslisten

Die versicherten Behandlungsmethoden werden von den meisten Krankenkassen auf speziellen Listen definiert. So kann man nur zu den aufgelisteten Therapeuten gehen oder nur genau definierte Therapien besuchen. Zum Teil sind diese Listen auf den Websites der Versicherungen einsehbar, aber leider nicht immer. Tückisch ist auch, dass die Listen von den Kassen laufend geändert werden können.

Beispiel: Karl K. hat eine Versicherung, die ihm ans Fitnessabonnement 200 Franken pro Jahr vergütet. Leider hat er es verpasst, vorgängig einen Blick auf die entsprechende Liste seiner Kasse zu werfen. Ausgerechnet das für ihn günstig gelegene Studio ist dort nicht aufgeführt. Damit hat K. auch keinen Anspruch auf Vergütung. Er muss also auf den Zustupf verzichten oder einen weiteren Weg auf sich nehmen.

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Mehr zu Krankenversicherung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Weigert sich die Krankenkasse, eine Kostengutsprache zu erteilen? Welche Zusatzversicherungen gibt es überhaupt? Guider-Mitglieder erfahren, welche Kosten die Krankenversicherung übernimmt und wo sich eine Zusatzversicherung lohnt. Eine weitere nützliche Hilfestellung: Ein Kündigungsschreiben als Mustervorlage.

Das gilt beim Wechsel der Zusatzversicherungen

1. Die Kasse muss Sie nicht aufnehmen

Anders als in der Grundversicherung muss die Krankenkasse einen nicht in die Zusatzversicherung aufnehmen. Sie kann Kunden aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen oder sogar grundlos ablehnen.

2. Die Kasse kann Alterslimiten setzen

Ab einem gewissen Alter wird man erst gar nicht mehr aufgenommen in eine Zusatzversicherung – man gilt als «schlechtes Risiko». Wer also weiterhin Versicherungsschutz geniessen will, muss wohl oder übel bei der alten Zusatzversicherung bleiben.

3. Die Kasse darf viele Fragen stellen

Um bei einer neuen Zusatzversicherung unterzukommen, muss ein Gesundheitsfragebogen ausgefüllt werden – in allen Punkten wahrheitsgetreu. Wenn man sich nicht mehr an alles erinnert, hilft oft nur der Anruf beim behandelnden Arzt. Er kann aufgrund der Krankengeschichte lückenlos Auskunft geben.

4. Die Kasse darf Risiken ausschliessen

Gestützt auf den Fragebogen, nimmt die Krankenkasse eine Risikoeinschätzung vor. Wird man in die Zusatzversicherung aufgenommen, werden die vorhandenen Krankheiten und Risiken mit einem Vorbehalt von der Versicherung ausgeschlossen. Aufgepasst: Auch ohne ausdrücklichen Vorbehalt gilt die Regel, dass etwa chronische Krankheiten, bei denen mit einem Rückfall zu rechnen ist, nicht mehr versicherbar sind.

Beispiel: Silvana C. hat vor acht Jahren das Schultergelenk erfolgreich operiert und ist heute beschwerdefrei. Dennoch wird ihr die Kasse deswegen einen Vorbehalt machen.

5. Die Kasse darf Fristen für Vergütungen setzen

Zum Teil werden für Leistungen Karenzfristen vorgesehen. Das heisst: Erst nach Ablauf dieser Frist gibt es Vergütungen.

Beispiel: Der Kinderwunsch von Brigitte B. ist gross. Sie möchte nach einer Geburt lieber im Einzelzimmer liegen, daher will sie eine Privatzusatzversicherung abschliessen. Die Karenzfrist beträgt aber zwei Jahre. Falls das Kind vorher kommt, zahlt die Zusatzversicherung nichts – Brigitte B. wird dann also doch mit der allgemeinen Abteilung vorliebnehmen müssen.

6. Lassen Sie sich nicht von Phantasienamen verwirren

Die Versicherungen geben ihren Produkten oft Phantasienamen, die häufig gleich oder ähnlich klingen. Da gilt es aufzupassen, damit man den Überblick darüber behält, unter welchem Namen sich welche Inhalte verstecken.

7. Holen Sie rechtzeitig Offerten ein

Holen Sie früh genug Offerten ein – nämlich so früh, dass Sie die alte Kasse noch kündigen könnten. Stellen Sie keinen Antrag auf Aufnahme, ohne zuvor die Offerte studiert zu haben. Denn ein Antrag ist nie unverbindlich. Oft sind die Vertragsbedingungen schwer verständlich, haken Sie deshalb bei Unklarheiten nach. Lassen Sie sich die Antworten auf Ihre Fragen im Zweifelsfall schriftlich geben.

8. Preise können steigen

Denken Sie daran, dass auch ein momentan sehr günstiges Angebot einer Preisentwicklung und Prämienerhöhungen unterworfen sein kann. So kann ein attraktives Angebot schnell teurer werden. Eventuell ist man dann für einen Wechsel zu alt.

Beispiel: Weil Hanna A. 60 Jahre alt geworden ist, schlägt die Prämie ihrer Zusatzversicherung um 40 Franken auf. In den Vertragskonditionen ist dieser Prämiensprung vorgesehen. A. hätte also wissen können, dass sie ab 60 mehr zahlen muss.

Anders ist es mit der Prämienerhöhung. Sie wird jedes Jahr, gestützt auf die Kostenrechnung der Krankenkasse, neu bekanntgegeben und lässt sich nicht vorausberechnen. Achtung: Nur diese Prämienerhöhung berechtigt zur Kündigung. Vertraglich vorgesehene Prämiensprünge aber meist nicht.

9. Bestehen Sie auf einjähriger Laufzeit

Achten Sie auf die Laufzeiten der alten Versicherung und auf die Kündigungsfristen.

Beispiel: Dorian F. möchte die Zusatzversicherung wechseln. Da stellt er fest, dass sein alter Vertrag eine Laufzeit von fünf Jahren hat. Wenn es also vorher keine Prämienerhöhung gibt, ist er bis dann an die alte Versicherung gebunden.

Bestehen Sie beim neuen Vertrag auf einer einjährigen Laufzeit und einer Kündigungsfrist von drei Monaten. Bei Prämienerhöhungen kann man aber immer innert einer gewissen Frist kündigen.

Kündigungsverfahren bei Zusätzen

Bei den meisten Krankenkassen beträgt die Vertragsdauer für Zusatzversicherungen ein Jahr, die Kündigungsfrist drei Monate. Das heisst: Eine Kündigung muss bis zum letzten Arbeitstag im September bei der Kasse eintreffen. Weniger kundenfreundlich sind Laufzeiten von drei oder fünf Jahren und Kündigungsfristen von sechs Monaten. Wenn Sie die Versicherung nicht fristgerecht kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch um die festgelegte Laufzeit.

Beachten Sie: Wollen Sie die Krankenkasse wechseln, sollten Sie Ihre Zusatzversicherung bei der bisherigen Kasse erst kündigen, wenn Sie von der neuen Kasse vorbehaltlos aufgenommen wurden!

MUSTERBRIEF
Kündigung Zusatzversicherung (Word-Dokument 22 KB)