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KrankenkassenLuxusgewinne für die Makler

Die Krankenkassen geben jährlich 74 Millionen Franken für Provisionszahlungen an Makler und für Werbung aus. Behaupten sie. Es dürfte deutlich mehr sein.

Die Group Mutuel belohnt den besten Makler mit einer Kreuzfahrt um die Welt im Wert von 45'000 Franken.
von aktualisiert am 18. Januar 2018

Die Schlacht ist wieder einmal geschlagen. In den vergangenen Wochen sind die Plakate verschwunden, die Werbespots seltener geworden, und die Anrufe zur Mittags- und Abendzeit bleiben aus. Kurz: Die Hochsaison für die Werbeaktivitäten der Krankenversicherer ist vorbei.

Einige Makler, die für die Groupe Mutuel Kunden anwerben, werden nun reich belohnt. Etwa mit einer 45'000 Franken teuren Kreuzfahrt für zwei Personen, mit Ferien auf den Malediven (Wert: 12'000 Franken) oder den Bahamas (8000 Franken). Andere werden sich über einen Mini Countryman (30'000 Franken) oder an einer Rolex (17'000 Franken) freuen. Der Grund: Sie haben beim Vermittler-Wettbewerb der Groupe Mutuel am meisten Versicherungen verkauft.

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Finanziert durch Prämien: So motiviert die Groupe Mutuel die...

Um vorne dabei zu sein, reicht es nicht, die obligatorische Krankenversicherung (KVG) an den Mann oder die Frau zu bringen, wie interne Dokumente zeigen, die dem Beobachter vorliegen. Nur wer auch Zusatz- oder Lebensversicherungen verkauft, hat eine Chance auf einen der Preise.

Die Groupe Mutuel gibt jedes Jahr mehr Geld für den Vermittler-Wettbewerb aus. 2017 hatten die Preise für die besten Verkäufer einen Gesamtwert von 285'000 Franken. Die Krankenversicherung aus Martigny vergoldet damit eine der meistgehassten Berufsgruppen: unabhängige Makler, die der Kundschaft auf Teufel komm raus Versicherungen aufschnorren.

Die Rechnung bezahlen ausgerechnet jene, die unter den aggressiven Verkaufsmethoden leiden: die Versicherten – via ihre Prämien.

«Der Wettbewerb ist ein Standardinstrument zur Motivation selbständiger und auf eigenes Risiko und Rechnung handelnder Verkäufer.»

 

Christian Feldhausen, Mediensprecher Groupe Mutuel 

Auch die Helsana führt seit 2017 einen Vermittler-Wettbewerb durch. Im Vergleich zur Groupe Mutuel ist die Preissumme aber geradezu lächerlich tief: Zu gewinnen gab es sechs Wochenenden für zwei Personen in Salzburg; Wert: je 1500 Franken.

Der Wettbewerb, dessen Ende die Groupe Mutuel immer mit einer rauschenden Gala feiert, sei «ein Standardinstrument zur Motivation selbständiger und auf eigenes Risiko und Rechnung handelnder Verkäufer», rechtfertigt Groupe-Mutuel-Mediensprecher Christian Feldhausen die hohe Preissumme.

Grosse Zweifel an den Zahlen

So aggressiv die Krankenversicherer neue Kunden jagen, so zurückhaltend melden sie die Ausgaben für Werbung und Provisionen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dazu sind sie seit 2016 verpflichtet, und seit ein paar Monaten ist die Zusammenstellung der Betriebsrechnungen diskret auf einer Website des BAG aufgeschaltet. Demnach zahlten die Versicherer 2016 rund 27 Millionen Franken Boni an unabhängige Makler und 47 Millionen für Werbung – total 74 Millionen.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. So meldete etwa die Visana für 2016 null Franken Ausgaben für Provisionen. Dabei hatte der «Kassensturz» vergangenen Herbst aufgedeckt, dass die Berner Krankenkasse Vermittlern bis zu 1500 Franken pro Abschluss bezahlt. Die Erklärung von Sprecher David Müller für die Differenz: 2016 seien den drei KVG-Versicherungen der Visana «keine Provisionszahlungen an Vermittler belastet» worden.

Und die Groupe Mutuel, die unter anderem das «Sportpanorama» auf SRF sponsert, meldet null Ausgaben unter dem Posten Werbung.

Auch beim Bundesamt für Gesundheit sind die Zahlen aufgefallen. Einige Versicherer hätten die Ausgaben «nicht oder nicht korrekt auf die vorgegebenen Konti aufgeteilt», sagt ein Sprecher. Inzwischen sei das korrigiert worden. Die richtigen Zahlen würden aber erst mit der Jahresrechnung 2017 veröffentlicht. Erst dann werden die Prämienzahlerinnen und -zahler erfahren, wie viel ihre Kassen tatsächlich für nervige Werbeanrufe und aufsässige Vermittler ausgeben.

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zum Artikel vom 20. November 2017

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