von Onmeda-Ärzteteam

1.  Überblick

Viele Menschen kennen Leptospirose von ihrem Hund. Die Infektionskrankheit kann aber Tier und Mensch gleichermassen betreffen: Die ursächlichen Bakterien (sog. Leptospiren) sind zwischen Tieren und Menschen übertragbar. Damit gehört die Krankheit zu den Zoonosen.

Doch längst nicht alle infizierten Tiere entwickeln auch eine Leptospirose: Die natürlichen Wirte der Bakterien – das sind vor allem kleine Säugetiere (wie Mäuse und Ratten) – erkranken normalerweise nicht an der Infektion. Sie können die Bakterien allerdings teils lebenslang mit dem Urin ausscheiden und so andere Säugetiere (z.B. Hunde, Schweine, Rinder, Pferde) und Menschen anstecken.

Am häufigsten kommt Leptospirose in Ländern mit warmem und feuchtem Klima vor. Aber auch in gemässigtem Klima – wie in der Schweiz – können Leptospiren ausserhalb ihrer Wirte (z.B. in Böden und Gewässern) überleben und ansteckend bleiben, wenn die Umweltbedingungen stimmen – sprich: wenn es warm und feucht genug ist.

Die Ansteckung mit Leptospirose passiert meistens durch direkten oder indirekten Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere, wobei die Bakterien dann durch kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhäute in den Körper gelangen können. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben also Menschen, die regelmässig

  • mit infizierten Tieren zu tun haben (z.B. Tierpfleger, Tierärzte) oder
  • im Freien mit Gewässern oder Böden in Berührung kommen, die durch Urin verschmutzt sind (z.B. beim Camping, beim Baden in Seen und Flüssen, bei manchen Outdoorsportarten, bei Feld- oder Kanalarbeiten).

Daher ist Leptospirose für einige Berufsgruppen eine anerkannte Berufskrankheit.

Beim Menschen verursacht Leptospirose meist nur milde, grippeähnliche Symptome. Dann kommt es zum Beispiel zu:

Leptospirose kann allerdings auch sehr heftig verlaufen – zum Beispiel mit NierenversagenGelbsucht, vergrösserter Milz, Hirnhaut- und Gehirnentzündung oder Lungenblutungen – und im Extremfall tödlich enden.

Darum ist bei Verdacht auf Leptospirose in jedem Fall ein Arztbesuch ratsam. Der Arzt kann eine Probe (z.B. Blut oder Urin) im Labor auf Leptospiren untersuchen lassen und so die Infektion sicher nachweisen oder ausschliessen.

Zur Behandlung von Leptospirose sind Antibiotika geeignet: Mit ihnen lassen sich die ursächlichen Bakterien abtöten. Besondere Schutzmassnahmen im Umgang mit Infizierten sind nicht notwendig, weil es – bei Beachtung einfacher Hygieneregeln – sehr unwahrscheinlich ist, dass sich Leptospiren von Mensch zu Mensch übertragen.

Leptospirose ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die zu den Zoonosen gehört: Eine Zoonose ist eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung.

Die Auslöser der Leptospirose (als Leptospiren bezeichnete Bakterien) kommen natürlicherweise hauptsächlich in kleinen Säugetieren vor, deren Nieren sie besiedeln – vor allem in Nagetieren (wie Ratten und Mäuse). Diese erkranken zwar in der Regel nicht an der Bakterienbesiedlung, scheiden die Bakterien aber zum Teil lebenslang mit dem Urin aus.

Grundsätzlich können sich jedoch alle Säugetiere mit Leptospiren infizieren – eher untypische Wirte erkranken allerdings oft daran. Zu den Tieren, die in der Schweiz anfällig für Leptospirose sind, gehören zum Beispiel:

  • Hunde
  • Schweine
  • Rinder
  • Pferde

Leptospirose tritt in vielen verschiedenen Formen auf, zum Beispiel als:

  • Feldfieber (bzw. Schlammfieber, Erntefieber, Erbsenpflückerkrankheit, Wasserfieber, Zuckerrohrfieber) in überschwemmten Gebieten
  • Fort-Bragg-Fieber (bzw. japanisches Herbstfieber) in Australien, Japan, USA
  • Schweinehüterkrankheit durch Urin infizierter Schweine oder Rinder in Europa, USA, Australien
  • schwere Form namens Morbus Weil mit Hirnhautentzündung (Meningitis), Nieren- und Leberversagen

Wer durch sein Freizeitverhalten oder beruflich bedingt regelmässig auf mit Leptospiren infizierte Tiere trifft oder mit Wasser in Berührung kommt, in das der Urin von infizierten Tieren gelangt ist, hat ein erhöhtes Infektionsrisiko. Typische Risikogruppen sind demnach beispielsweise Kanalarbeiter, Abwasserarbeiter, Feldarbeiter und Tiermediziner. Entsprechend ist Leptospirose für diese Berufsgruppen eine anerkannte Berufskrankheit.

Häufigkeit

Besonders verbreitet ist Leptospirose in tropischen und subtropischen Ländern mit starken Regenfällen. In gemässigtem Klima ist ihre Häufigkeit zwar vergleichsweise gering, dennoch infizieren sich jedes Jahr auch in der Schweiz immer wieder Menschen mit Leptospiren – vor allem im Sommer und Frühherbst.

Erreger

Ursache für Leptospirose ist eine Infektion mit krankmachenden (pathogenen) Bakterien namens Leptospira interrogans aus der Gattung Leptospira. Die Erreger sind sehr beweglich, 6 bis 25 Mikrometer lang und korkenzieherartig geformt. Oft sind die Leptospiren an beiden Enden abgebogen, sodass sie hakenförmig oder kleiderbügelartig aussehen. Ohne Sauerstoff können sie nicht leben.

Grundsätzlich kann sich jedes Säugetier mit Leptospiren infizieren. In der Schweiz bilden vor allem Mäuse und Ratten die natürlichen Wirte der Bakterien, aber auch viele andere Haus-, Nutz- und Wildtiere (wie Hunde, Katzen, Schweine, Pferde, Schafe, Ziegen und Rinder) fangen sich den Erreger oft ein. Weltweit spielen jedoch Kleinsäuger (v.a. Nagetiere) die grösste Rolle als natürliches Reservoir: Die Erreger leben in deren Nieren, ohne besonderen Schaden anzurichten. Die infizierten Kleinsäuger erkranken also in der Regel nicht an Leptospirose, scheiden die Erreger aber teils lebenslang mit dem Urin aus.

Vermehren können sich die Leptospiren nur innerhalb ihrer Wirtstiere. Allerdings können sie in der Aussenwelt wochen- oder sogar monatelang überleben und ansteckungsfähig bleiben. Wie lange die Erreger in der Umwelt überleben und so für den Menschen ein Leptospirose-Risiko darstellen, hängt stark von den dort herrschenden Bedingungen ab: Unverträglich für die Erreger sind Salzwasser und direkte Sonneneinstrahlung, günstig für ihr Überleben sind hingegen:

  • Wärme
  • gleichbleibende Feuchtigkeit (Seen, Flüsse, feuchter Boden)
  • ein neutraler oder leicht basischer pH-Wert (7,0–7,8).

Übertragung

Hauptsächlich entsteht Leptospirose beim Menschen durch den Urin infizierter Tiere. Zur Übertragung der Leptospiren kann es dabei sowohl durch direkten als auch durch indirekten Kontakt mit dem Urin kommen (z.B. durch Wasser oder Schlamm, die mit Urin verschmutzt sind). In den Körper gelangen die Leptospiren dann über kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhäute von Auge, Nase und Mund.

In seltenen Fällen entsteht Leptospirose beim Menschen auch durch Ansteckung über verseuchtes Blut, verseuchtes Gewebe oder durch Bisse von infizierten Tieren. Wenn die Erreger in Trinkwasser oder Nahrungsmittel gelangen, kann deren Verzehr ebenfalls krank machen. Wahrscheinlich reicht schon eine geringe Anzahl Bakterien aus, um beim Menschen eine Erkrankung zu verursachen.

Entsprechend haben Menschen, die beispielsweise regelmässig Kontakt zu Tieren haben oder mit Gewässern oder Abwässern in Berührung kommen, ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. In der Schweiz etwa sind schon mehrfach Menschen an Leptospirose erkrankt, nachdem sie als Teilnehmer einer Sportveranstaltung (Triathlon) in einem Fluss geschwommen sind – Ursache war vermutlich ein vorangegangener Starkregen, der die Leptospiren aus der Kanalisation oder dem Uferbereich in den Fluss gespült hat. Weitere typische Risikogruppen sind:

  • in der Landwirtschaft tätige Personen
  • Kanal- und Abwasserarbeiter
  • Tierärzte
  • Tierpfleger
  • Fleischer
  • Militärangehörige (v.a. bei Auslandseinsätzen)

Nach ihrer Übertragung gelangen die Leptospiren ins Blut und von dort aus in praktisch alle Gewebe und Organe. Nachfolgend beseitigt die körpereigene Immunabwehr die Bakterien aus dem Körper, was einen Teil der bei Leptospirose auftretenden Beschwerden verursacht. Allerdings können sich die Bakterien zunächst in den Nieren festsetzen und sind dann noch länger im Urin nachweisbar. Vereinzelt können die Leptospiren auch wesentlich länger in den Augen der Infizierten überdauern.

Nach Ausbruch der Leptospirose kann der erkrankte Mensch mehrere Wochen lang ansteckend sein. Zur Übertragung von Mensch zu Mensch kommt es aber sehr selten: Die Erkrankung geht als typische Zoonose vor allem vom Tier auf den Menschen über. Es ist allerdings nicht völlig auszuschliessen, dass infizierte Frauen ihre Kinder beim Stillen über die Muttermilch anstecken können.

 

Inkubationszeit

Bei der Leptospirose beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) in der Regel 7 bis 14 Tage. Es können aber auch nur 2 oder bis zu 30 Tage vergehen, bevor die ersten Anzeichen der Infektion auftreten.

Die mit Leptospirose verbundenen Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen: Während manche Menschen nach einer Infektion mit den ursächlichen Bakterien (sog. Leptospiren) nur milde Beschwerden verspüren, entwickeln andere eine heftige und im Extremfall lebensbedrohliche Erkrankung.

In den meisten Fällen verursacht die Leptospirose beim Menschen aber nur milde Symptome, die teilweise sogar unbemerkt bleiben können.

Wenn eine Leptospirose Symptome hervorruft, lassen sich meist zwei Krankheitsphasen unterscheiden:

 

  • Immunphase: Etwa ab der zweiten Krankheitswoche bildet der Körper Antikörper gegen die Leptospiren und scheidet Letztere im Urin aus. Dann kann das Fieber zurückkommen und es können Anzeichen für den Befall verschiedener Organe (wie Gehirn, Leber, Nieren, Herz, Lunge) auftreten, zum Beispiel:

Wenn die Leptospirose schwerwiegende Symptome auslöst, dann geschieht dies überwiegend in der zweiten Krankheitswoche (bzw. in der Immunphase). Verantwortlich hierfür ist vor allem die Immunreaktion des Körpers.

Leptospirose lässt sich nach dem Schweregrad ihrer Symptome grob wie folgt einteilen:

  • Grippeähnliche Verlaufsformen: In den meisten Fällen macht sich Leptospirose nur durch grippeähnliche Symptome bemerkbar. Typisch sind ein plötzliches, hohes Fieber (39–40°C), Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen (v.a. in den Waden) und Kopfschmerzen. Daneben kann sich ein masernähnlicher Ausschlag entwickeln. Ausserdem sind – bedingt durch die erweiterten Blutgefässe – die Schleimhäute sowie die Bindehaut der Augen stark gerötet.
  • Morbus Weil: Geht die Leptospirose mit einer Kombination der drei Symptome akutes Nierenversagen, Gelbsucht und vergrösserte Milz einher, sprechen Mediziner vom Morbus Weil (Weil-Krankheit). Die Gelbsucht ist dabei Anzeichen für eine gestörte Sekretion der Gallensäuren in der Leber. Dass die Nieren versagen, zeigt sich typischerweise durch zu niedrige Kaliumwerte im Blut (Hypokaliämie) und eine erhöhte Urinausscheidung (Polyurie). Der Morbus Weil kann sich erst innerhalb der Immunphase oder eigenständig als rasch fortschreitende Erkrankung entwickeln.
  • Meningitis bzw. Meningoenzephalitis: Bei Leptospirose entzünden sich häufig die Hirnhäute (Meningitis). Symptome hierfür sind zum Beispiel starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsveränderungen. Die Entzündung kann sich auch auf das Gehirn ausbreiten (Meningoenzephalitis). Anzeichen für eine Beteiligung von Leber, Niere oder Lunge können gleichzeitig auftreten, aber auch fehlen.
  • Lungenblutungen mit verminderter Atemfunktion (Ateminsuffizienz): Eine Leptospirose kann auch Lungenblutungen (pulmonale Hämorrhagien) auslösen. Entsprechende Symptome entwickeln sich allerdings meist nur bei grösseren Massenerkrankungen. Solche Fälle können besonders dann schwerwiegend verlaufen, wenn die Blutungen der Atemwege ohne Nierenversagen und Gelbsucht auftreten.

Daneben kann Leptospirose viele weitere Symptome hervorrufen. So kommt es nach einer Infektion mit Leptospiren häufig zu folgenden Veränderungen im Blutbild:

  • verminderte Anzahl Blutplättchen (Thrombozytopenie)
  • erhöhte Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukozytose)
  • erhöhte Anzahl neutrophiler Granulozyten (Neutrophilie), wobei vermehrt unreife neutrophile Granulozyten nachweisbar sind (sog. Linksverschiebung)

Zudem kann Leptospirose mit Entzündungen am Herzbeutel (Perikarditis) und Herzmuskel (Myokarditis) einhergehen. Mögliche Symptome hierfür sind zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Brustschmerzen.

In seltenen Fällen können bei Leptospirose auch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder der Gallenblase (Cholezystitis) sowie ein Zerfall der quergestreiften Muskulatur (Rhabdomyolyse) vorkommen.

Als Spätfolge einer Leptospirose kann sich noch Jahre nach der Infektion die mittlere Augenhaut eines oder beider Augen entzünden (Uveitis). Diese Symptome entstehen vermutlich infolge einer Autoimmunreaktion.

Viele der bei Leptospirose auftretenden Symptome scheinen durch eine Entzündung der Blutgefässe (Vaskulitis) – besonders der Kapillaren – bedingt zu sein.

Besteht der Verdacht auf Leptospirose, ist es wichtig, bei der Diagnose andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschliessen (sog. Differenzialdiagnose). Treten die Beschwerden während oder nach einer Reise in tropische oder subtropische Länder auf, sind – je nach Krankheitsbild und Reiseland – zum Beispiel folgende fieberhafte Erkrankungen abzugrenzen:

Können die möglichen Anzeichen für Leptospirose nur durch eine Infektion in der Schweiz bedingt sein, kommen differenzialdiagnostisch zum Beispiel eine EHEC-Infektion oder eine bakterielle Ruhr (Shigellose) in Betracht.

Um Leptospirose sicher zu diagnostizieren, besteht die Möglichkeit, die ursächlichen Bakterien (sog. Leptospiren) in einer Laboruntersuchung direkt oder indirekt nachzuweisen. Der direkte Erregernachweis kann darin bestehen,

  • die Bakterien selbst in einer sogenannten Kultur anzuzüchten (aus Blut- oder Liquorproben lassen sich Leptospiren in der 1. Krankheitswoche anzüchten, aus Urinproben eher in der 2. Woche) oder
  • das Erbgut (DNA) der Bakterien in einem sogenannten PCR-Test nachzuweisen (PCR = polymerase chain reaction, Polymerase-Kettenreaktion; hierzu geeignet sind Blut-, Liquor-, Gewebe- oder Urinproben).

Der indirekte Erregernachweis besteht darin, eine Blutprobe auf Antikörper zu untersuchen, die der Körper bei Leptospirose im Rahmen der Immunreaktion gegen die Leptospiren bildet. Die Diagnose ist nur in einem Speziallabor möglich.

Gegen Leptospirose kommen zur Therapie Antibiotika in hoher Dosierung zum Einsatz, um die ursächlichen Bakterien (Leptospiren) zu bekämpfen: Wichtig ist dabei, dass die Behandlung möglichst früh (innerhalb der ersten vier Krankheitstage) beginnt – bevor die körpereigene Immunreaktion auf den Bakterienbefall schwerwiegende Symptome hervorrufen kann.

  • Wenn die Leptospirose eher milde verläuft, eignet sich zum Beispiel eine einwöchige Therapie mit Doxycyclin in Tablettenform.
  • Bei schweren Krankheitsverläufen verabreichen Ärzte die Antibiotika (z.B. Benzylpenicillin, Ceftriaxon, Cefotaxim oder auch Doxycyclin) eine Woche lang eher über die Vene (intravenös).

Wenn die Lunge bei Leptospirose schwer beteiligt ist, kann zudem eine Therapie mit dem Glukokortikoid Methylprednisolon die Heilungschance erhöhen.

Während der Therapie sind keine besonderen Massnahmen (z.B. Isolation) nötig, um zu verhindern, dass sich die Leptospirose weiter verbreitet: Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Leptospiren von Mensch zu Mensch übertragen, wenn alle Beteiligten grundlegende Hygieneregeln einhalten.

Leptospirose verläuft sehr uneinheitlich: Ihr Verlauf reicht von milden, kaum spürbaren Infektionen über die unterschiedlichsten Beschwerden mit Befall verschiedener Organe bis hin zu extrem heftigen Erkrankungen, die innerhalb weniger Tage zum Tod führen.

Wenn eine Leptospirose kompliziert verläuft (z.B. mit akutem Nierenversagen oder Blutungen in der Lunge), beginnt dies meist ab der zweiten Woche nach Ausbruch der Erkrankung. Grund für die Komplikationen ist dann nicht unbedingt eine direkte Gewebebeschädigung, sondern die körpereigene Immunreaktion.

In den meisten Fällen (über 90%) macht sich eine Infektion mit Leptospiren jedoch nur durch eine milde Leptospirose oder gar nicht bemerkbar. Schwerwiegende oder tödliche Krankheitsverläufe bilden also die Ausnahme.

Nach einer überstandenen Leptospirose kann sich selbst Jahre später – vermutlich als Autoimmunreaktion – eine ein- oder beidseitige Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) entwickeln. Mit Glukokortikoiden ist diese Folgeerkrankung aber meist gut behandelbar.

Einer Leptospirose können Sie vorbeugen, indem Sie bestimmte Verhaltensregeln beachten und bei möglichem Kontakt mit den ursächlichen Bakterien (sog. Leptospiren) Schutzmassnahmen ergreifen:

  • Vermeiden Sie den Kontakt mit eventuell verschmutztem Wasser und Boden: Das bedeutet zum Beispiel, dass Sie (v.a. nach starken Regenfällen) nicht campen, durch Flüsse, Seen o.Ä. waten oder darin baden sollten.
  • Tragen Sie bei erhöhtem Ansteckungsrisiko (z.B. wenn Sie mit infizierten Tieren oder verseuchten Böden, Gewässern oder Abwässern in Berührung kommen) wasserdichte Schutzkleidung, Handschuhe und ggf. eine Schutzbrille.
  • Achten Sie darauf, dass bei Kontakt zu möglicherweise verschmutzten Gewässern jegliche Wunden wasserdicht geschützt sind.

Eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika ist nach Kontakt mit dem Erreger aber nicht notwendig. Wenn Sie beispielsweise einem an Leptospirose erkrankten Hund nahe kamen, können Sie zunächst abwarten, ob Sie entsprechende Anzeichen (wie plötzliches FieberGelenkschmerzen oder Muskelschmerzen) entwickeln – und sich dann unverzüglich in Behandlung begeben.

Für Tierhalter gilt: Wenn Sie vermuten, dass Ihr Haustier mit Leptospiren infiziert sein könnte, lassen Sie es unbedingt durch einen Tierarzt untersuchen und behandeln. Mit einer nicht oder unzureichend behandelten Leptospirose ist Ihr Tier monatelang ansteckend. Solange sollten Sie jeglichen Kontakt zu seinem Urin, Blut oder Gewebe vermeiden. Allgemeine vorbeugende Verhaltensregeln für Besitzer von infizierten Tieren lauten:

  • Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Tierarztes und achten Sie darauf, Ihrem Tier auch alle ärztlich verordneten Mittel zu verabreichen.
  • Waschen Sie sich jedes Mal gründlich die Hände, nachdem Sie Ihr Tier angefasst haben oder mit seinen Ausscheidungen in Berührung gekommen sein könnten.
  • Verwenden Sie beim Reinigen von Oberflächen, auf denen sich Urin Ihres Tieres befindet oder die aus anderen Gründen mit Leptospiren verunreinigt sein könnten, eine antibakteriell wirkende Reinigungslösung.

 

Impfung

Für Menschen gibt es in der Schweiz keinen zugelassenen Impfstoff gegen Leptospirose. Wer einen Hund hat, ist jedoch gut beraten, ihn regelmässig gegen Leptospirose impfen zu lassen: Die Impfung kann einer Erkrankung des Hundes zwar nicht 100-prozentig vorbeugen, aber zumindest das Erkrankungsrisiko (und damit das Ansteckungsrisiko für den Menschen) senken. Früher standen nur Zweifachimpfstoffe gegen die beiden damals typischen Erreger-Varianten bei Hunden zur Verfügung. Da Hunde in Europa inzwischen auch immer öfter mit selteneren Erregern infiziert sind, gibt es inzwischen Vierfachimpfstoffe, die vor zwei weiteren Varianten schützen.