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Morbus Basedow

(Basedow-Krankheit)
von Onmeda- Ärzteteam

1.  Überblick

Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) ist eine Schilddrüsenerkrankung, bei der es zu einer übermässigen Produktion von Schilddrüsenhormonen (Schilddrüsenüberfunktion) kommt. Schuld daran ist das eigene Immunsystem: Es bildet Abwehrstoffe (Antikörper), die fälschlicherweise an bestimmte Signalstellen an der Schilddrüse «andocken» – diese regen die Schilddrüse zur Hormonproduktion an.

Als Folge steigt bei Morbus Basedow die Konzentration an Schilddrüsenhormonen deutlich an. Da Schilddrüsenhormone auf zahlreiche Körperfunktionen Einfluss nehmen, kann sich die Basedow-Krankheit bei den Betroffenen über ganz unterschiedliche Symptome bemerkbar machen: Die Beschwerden reichen von

Bei mehr als der Hälfte aller Morbus-Basedow-Patienten treten ausserdem Veränderungen an den Augen auf (sog. endokrine Orbitopathie). In den meisten Fällen handelt es sich jedoch nur um eine milde Form, die sich bei angemessener Behandlung der Basedow-Krankheit zurückbildet.

Bei etwa einem von drei Betroffenen mit einer Augenbeteiligung kommt es zu schweren Formen, die das Aussehen verändern können: Die Augäpfel treten je nach Ausmass unterschiedlich stark hervor und unter Umständen lassen sich die Lider dadurch schlechter schliessen. Als Folge kann es zu verschiedenen Augenbeschwerden wie etwa trockenen Augen, Fremdkörpergefühl und Rötungen kommen. Da eine Augenbeteiligung häufig auch von anderen wahrnehmbar ist und sich das eigene Aussehen möglicherweise dadurch verändert, kann dies bei den Betroffenen auch zu einer psychischen Belastung führen.

Ziel der Therapie bei Morbus Basedow ist es vor allem, die übermässige Produktion von Schilddrüsenhormonen zu stoppen und die jeweiligen Beschwerden zu lindern. Dies ist zum Beispiel mithilfe von schilddrüsenhemmenden Medikamenten (sog. Thyreostatika) möglich.

Bessert sich der Morbus Basedow dadurch nicht oder kommt es zu Rückfällen, besteht ausserdem die Möglichkeit, die Schilddrüse ganz oder grösstenteils operativ zu entfernen oder über eine Radiojodtherapie gezielt zu zerstören. In beiden Fällen müssen die Betroffenen anschliessend täglich Schilddrüsenhormone als Tabletten einnehmen, um den Ausfall der Schilddrüse auszugleichen und eine normale Hormonkonzentration zu erreichen.

Morbus Basedow (Basedow-Krankheit, basedowsche Krankheit) ist eine Autoimmunerkrankung, in deren Folge es zu einer Schilddrüsenüberfunktion Hyperthyreose) kommt. Die Schilddrüse der Betroffenen produziert dabei übermässig viele Schilddrüsenhormone. Ein anderer Begriff für Morbus Basedow ist Immunhyperthyreose.

Schilddrüsenhormone beeinflussen zahlreiche Körperfunktionen – aus diesem Grund kann die Basedow-Krankheit zu ganz unterschiedlichen Symptomen führen und ohne Therapie das persönliche Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

Bei einigen Morbus-Basedow-Betroffenen kommt es zudem zu einer Augenbeteiligung, der sogenannten endokrinen Orbitopathie, bei der die Augäpfel sichtbar hervortreten (Exophthalmus).

 

Häufigkeit

Morbus Basedow ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion. In den westlichen Industriegesellschaften beträgt die Krankheitshäufigkeit ca. 2–3% der Gesamtbevölkerung.  Bei Frauen tritt die Basedow-Krankheit etwa fünfmal so häufig auf wie bei Männern. Die meisten Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose 20 bis 40 Jahre alt, aber auch Kinder und ältere Menschen können die Erkrankung entwickeln.

Die endokrine Orbitopathie tritt bei Frauen ebenfalls häufiger auf: Frauen erkranken daran rund dreimal so oft wie Männer.

Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) ist eine Autoimmunerkrankung. Das heisst, die Ursachen liegen in einer Fehlreaktion der körpereigenen Abwehr, die fälschlicherweise Strukturen der eigenen Schilddrüse angreift.

Normalerweise bekämpft das Immunsystem Krankheitserreger wie Bakterien und Viren oder andere körperfremde Substanzen. Als Reaktion auf solche «Eindringlinge» stellt es Antikörper her, die den Krankheitserreger oder fremde Partikel neutralisieren oder für Abwehrzellen kennzeichnen. Bei Morbus Basedow hält das Immunsystem jedoch bestimmte körpereigene Eiweisse auf den Schilddrüsenzellen irrtümlich für körperfremd und produziert Antikörper, die sich gegen diese Strukturen (TSH-Rezeptoren) richten und dort Entzündungsreaktionen auslösen. Warum das Immunsystem bei Basedow-Betroffenen Antikörper gegen körpereigenes Gewebe produziert, ist bislang nicht geklärt.

Die Schilddrüse liegt im Hals unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre. Sie produziert verschiedene Hormone, die grossen Einfluss auf viele Körperbereiche haben, wie zum Beispiel:

  • Stoffwechsel
  • Herz-Kreislauf-System
  • Zentralnervensystem
  • Körpertemperatur
  • Muskeln
  • Menstruationszyklus

Eine kleine Drüse im Gehirn steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse: die Hypophyse. Die Antikörper, die das Immunsystem bei Morbus Basedow produziert, ähneln in ihrer Struktur den Hormonen, die die Hypophyse zur Stimulation der Schilddrüse herstellt und wirken deshalb auch genauso.

Die bei Morbus Basedow produzierten spezifischen Antikörper bringen die Schilddrüse dazu, ständig Schilddrüsenhormone herzustellen, bewirken also letztlich eine fortwährende Überproduktion. Schilddrüsenhormone haben grossen Einfluss auf die verschiedensten Körperbereiche – bei der Basedow-Krankheit kommt es deshalb zu zahlreichen Beschwerden, die unbehandelt die Lebensqualität stark einschränken können.

Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Morbus Basedow entsteht:

  • Erbliche Vorbelastung: In einigen Familien tritt Morbus Basedow gehäuft auf. Man geht deshalb davon aus, dass genetische Einflüsse zum Auftreten eines Morbus Basedow beitragen.
  • Geschlecht: Frauen erkranken häufiger als Männer an Morbus Basedow.
  • Alter: Die Basedow-Krankheit entsteht in zwei Drittel der Fälle nach dem 35. Lebensjahr.
  • Autoimmunerkrankungen: Liegen bereits andere Autoimmunerkrankungen vor (z.B. Typ-1-DiabetesRheuma), kann sich das Risiko für Morbus Basedow erhöhen.
  • Stress: Ständiger oder durch ein einschneidendes traumatisches Erlebnis ausgelöster Stress kann bei entsprechender genetischer Vorbelastung das Risiko für Morbus Basedow erhöhen.
  • Schwangerschaft: Bei entsprechender genetischer Vorbelastung kann sich durch die hormonellen Veränderungen während und nach einer Schwangerschaft das Risiko für Morbus Basedow erhöhen.
  • Rauchen: Rauchen beeinflusst das Immunsystem und kann das Risiko für Morbus Basedow erhöhen – je mehr man raucht, umso höher das Risiko. Raucher, die bereits an Morbus Basedow erkrankt sind, entwickeln ausserdem achtmal häufiger als Nichtraucher eine endokrine Orbitopathie, also eine Beteiligung der Augen.

 

Endokrine Orbitopathie

Bei manchen Morbus-Basedow-Betroffenen kommt es zu einer Beteiligung der Augen. Hierbei treten die Augäpfel im Laufe der Erkrankung aus den Augenhöhlen hervor – die Augen wirken dadurch grösser. Die beiden Augen können sich dabei unterschiedlich stark hervorwölben; bei jedem Zehnten tritt die Augenveränderung nur einseitig auf. Mediziner nennen diese Augen-Symptomatik zusammen mit den gleichzeitig auftretenden weiteren Augenbeschwerden endokrine Orbitopathie.

Die endokrine Orbitopathie entsteht durch dieselben Antikörper, die auch gegen die Schilddrüse gerichtet sind. Die Antikörper binden an sogenannte TSH-Rezeptoren – diese finden sich nicht nur auf den Zellen der Schilddrüse, sondern auch im Gewebe der Augenhöhle. Auf diese Weise kommt es hier zu Entzündungsprozessen und anderen Immunreaktionen, welche zu Schwellungen in der Augenhöhle führen und damit die typischen Augenbeschwerden und das veränderte Aussehen der Augen im Rahmen eines Morbus Basedow auslösen.

Die endokrine Orbitopathie tritt in der Regel 6 bis 12 Monate vor einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder einige Monate nach Beginn der Schilddrüsenüberfunktion auf.

Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) kann sich durch zahlreiche Symptome äussern, wie zum Beispiel:

  • Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Schlafprobleme
  • Erschöpfung
  • Herzrasen und / oder Herzrhythmusstörungen
  • leichtes Zittern der Finger oder Hände
  • gesteigertes Wärmeempfinden (Betroffene empfinden Wärme als unangenehm und schwitzen stärker)
  • Gewichtsverlust trotz normaler Essgewohnheiten oder gesteigertem Appetit
  • vergrösserte Schilddrüse (Kropf)
  • Veränderungen im Menstruationszyklus
  • Form der Impotenz (erektile Dysfunktion)
  • geringeres Lustempfinden (Libidoverlust)
  • verstärkte Darmbewegungen
  • Durchfall
  • hervortretende Augäpfel (endokrine Orbitopathie)
  • verdickte und gerötete Haut, v.a. am Schienbein oder am Fussrist (Myxödem)

Endokrine Orbitopathie

Bei etwas mehr als jedem zweiten Morbus-Basedow-Betroffenen kommt es auch zu einer Beteiligung der Augen. Der medizinische Fachbegriff hierfür lautet "endokrine Orbitopathie". Häufig handelt es sich jedoch nur um eine milde Form der Augenbeteiligung, die kaum ausgeprägte Symptome zeigt. Nur bei etwa einem Drittel der Patienten treten die Augen merklich hervor.

Bei einer endokrinen Orbitopathie verändert sich durch die Erkrankung das Gewebe um das Auge herum, was auch das Aussehen der Betroffenen beeinflussen kann: Die Augäpfel treten möglicherweise aus den Augenhöhlen hervor (sog. Exophthalmus) und wirken dadurch grösser, können zum Teil auch schlechter geschlossen werden. Auf andere wirkt das häufig so, als würde der Betroffene die Augen sehr weit aufreissen, was einen ständig erschrockenen oder verärgerten Eindruck vermittelt. In der Regel treten die Veränderungen bei beiden Augen auf, wenn auch manchmal unterschiedlich stark.

Dazu kommen weitere Augenbeschwerden, die zum Teil durch die nicht richtig schliessenden Augenlider entstehen, aber auch durch die Schwellungen hinter dem Auge. Eine endokrine Orbitopathie äussert sich typischerweise durch folgende Symptome:

  • hervortretende Augäpfel (Exophthalmus)
  • verstärkter Tränenfluss
  • trockene, gereizte Augen
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • seltener Lidschlag
  • Druck oder Schmerzen im bzw. hinter dem Auge
  • Schmerzen beim Bewegen der Augen
  • geschwollene Augenlider
  • gerötete oder entzündete Augen
  • Schwellung der Tränenpünktchen im inneren Lidwinkel
  • Lichtempfindlichkeit
  • Doppelbilder
  • Probleme mit den Augenmuskeln, starrer Blick
  • selten: verschwommene Sicht, vermindertes Sehvermögen
  • selten: Hornhautgeschwür (Ulcus corneae)

Myxödem (Dermatopathie)

Eher selten entwickelt sich im Rahmen eines Morbus Basedow auch ein Myxödem (Dermatopathie). Darunter versteht man verdickte, grossporige und gerötete Haut, die sich bei Morbus Basedow meist an den Schienbeinen (prätibiales Myxödem) oder am Fussrist ausbildet. In seltenen Fällen zeigen sich auch an den Unterarmen und an der Schulter ähnliche Symptome.

Akropachie

Ebenfalls eher selten kommt es bei Betroffenen mit Morbus Basedow zu einer sogenannten Akropachie, bei der sich Knochen und Weichteile in den Endgliedern der Finger und Zehen verdicken. Die Finger- und Zehenspitzen verändern ihre Form und wirken aufgeschwemmt.

Um bei Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) eine Diagnose zu stellen, stellt der Arzt in der Regel zuerst verschiedene Fragen, wie zum Beispiel:

  • Welche Beschwerden treten genau auf?
  • Wann traten die Beschwerden zum ersten Mal auf?
  • Spüren Sie die Beschwerden ständig oder nur gelegentlich?
  • Nehmen Sie momentan Medikamente ein? Hat sich hierbei irgendwas geändert?
  • Haben Sie momentan viel Stress?
  • Haben Sie Gewicht verloren?
  • Haben Sie Probleme beim Schlafen?
  • Haben Sie sexuelle Probleme?
  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Schilddrüsenerkrankungen?

 

Ausserdem nimmt der Arzt eine körperliche Untersuchung vor und tastet den Hals ab, um die Grösse der Schilddrüse zu erfühlen. Die Diagnose Morbus Basedow liegt insbesondere nahe, wenn drei Symptome gleichzeitig vorkommen (sog. Merseburger Trias):

Die Merseburger Trias tritt jedoch nur bei etwa der Hälfte der Patienten auf.

 

Treten im Rahmen eines Morbus Basedow die Augäpfel hervor, ist das meist bereits auf den ersten Blick zu erkennen. Ob die Schilddrüse vergrössert ist, kann der Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Ausserdem misst der Arzt in der Regel Blutdruck und Puls.

Eine Blutuntersuchung zeigt, ob beim Betroffenen eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vorliegt. Diese gilt als sicher, wenn das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH, das von der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet wird, nur in niedrigen Konzentrationen vorkommt und die Schilddrüsenhormone selbst erhöht sind. Der TSH-Wert sinkt bei einer Überfunktion, weil die zu viel produzierten Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4) die Produktion von TSH hemmen. Morbus Basedow gilt als häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion.

Mit einer Blutuntersuchung lässt sich auch feststellen, ob es sich tatsächlich um Morbus Basedow handelt: Bei Betroffenen liegt fast immer ein bestimmter Antikörper im Blut vor, der sogenannte TSH-Rezeptorautoantikörper (kurz: TRAK).

 

Bei der Diagnose-Stellung können ausserdem folgende Untersuchungen helfen:

  • Schilddrüsenszintigraphie: Die Schilddrüse benötigt Jod, um Schilddrüsenhormone herzustellen. Mithilfe der Schilddrüsenszintigraphie lässt sich feststellen, wie viel Jod die Schilddrüse verstoffwechselt. Dazu wird dem Betroffenen eine leicht radioaktive, aber ungefährliche Substanz injiziert, die von der Schilddrüse aufgenommen wird. Eine spezielle Kamera (Gammakamera) kann dann die von der Schilddrüse ausgehende Strahlung aufzeichnen.
  • Feinnadelbiopsie: Eine Gewebeprobe (Feinnadelbiopsie) der Schilddrüse ist zur Diagnose eher selten notwendig.

 

Bei schwereren Augenbeteiligungen oder wenn unklar ist, ob beim Betroffenen auch die Augen beteiligt sind, können folgende Untersuchungsmethoden Aufschluss bringen:

  • Augenultraschall (Orbitasonographie)
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Bei Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) ist das Therapieziel, die bestehenden Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Das lässt sich erreichen, indem man die übermässige Produktion von Schilddrüsenhormonen verringert und die Wirkung der Schilddrüsenhormone hemmt. Hierfür stehen verschiedene Therapie-Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Medikamente
  • Operation
  • Radiojodtherapie

Eine Operation oder Radiojodtherapie kommt in der Regel erst infrage, wenn die medikamentöse Therapie nicht erfolgreich war oder es zu Rückfällen kommt. Das Ziel der Operation ist es, die Schilddrüse ganz oder teilweise zu entfernen und so die Beschwerden zu verringern. Dabei ist die Gefahr eines Rückfalls umso geringer, je mehr Schilddrüsengewebe entfernt beziehungsweise durch die Radiojodtherapie zerstört wurde. Auch wenig zurückgebliebenes Schilddrüsengewebe kann unter Umständen noch zu viele Schilddrüsenhormone produzieren und so möglicherweise auch wieder zu Beschwerden führen.

 

Medikamente

Medikamente mit schilddrüsenhemmenden Wirkstoffen (sog. Thyreostatika) können die Beschwerden bei Morbus Basedow lindern, so zum Beispiel die Wirkstoffe Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil. Diese Wirkstoffe verhindern, dass die Schilddrüse Jod aufnimmt und dadurch auch, dass Schilddrüsenhormone hergestellt werden. Dies lindert die Symptome des Morbus Basedow.

Bei einer Einnahme der schilddrüsenhemmenden Medikamente kann es anfangs zu Rückfällen kommen, bei einer längeren Einnahme kommt es jedoch langfristig zu besseren Ergebnissen. Aus diesem Grund sollte man bei Morbus Basedow die Medikamente in Absprache mit dem Arzt mindestens über ein Jahr lang kontinuierlich einnehmen, um den therapeutischen Effekt besser einschätzen zu können. Sollte es erneut zu Rückfällen kommen, müssen andere Therapie-Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden, etwa eine Operation oder eine Radiojodtherapie.

 

Operation

Führt die Einnahme von schilddrüsenhemmenden Medikamenten nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine operative Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie) notwendig werden. Hierbei entfernt der Operateur die Schilddrüse im Ganzen oder zu grossen Teilen. Um die durch die Operation fehlenden Schilddrüsenhormone auszugleichen, muss der Betroffene nach der OP die Hormone täglich als Medikament einnehmen (z.B. Levothyroxin).

Risiken

Wie bei jeder Operation bestehen auch bei einer Schilddrüsenentfernung gewisse Risiken. So kann es zum Beispiel durch die OP zu einer versehentlichen Durchtrennung des Nervs kommen, der die Stimmbänder versorgt. Als Folge besteht das Risiko einer ein- oder beidseitigen Stimmbandlähmung, die zu Heiserkeit oder einem Stimmverlust führen kann. Ein Stimmverlust tritt jedoch nur sehr selten auf. Wird der Nerv nur verletzt, kann sich die Stimmbandlähmung nach einigen Monaten zurückbilden.

Entnimmt der Operateur in seltenen Fällen neben der Schilddrüse versehentlich auch die schwer zu erkennenden Nebenschilddrüsen, muss der Patient im Anschluss lebenslang Vitamin D und Calcium als Nahrungsergänzungsmittel oder alternativ das von den Nebenschilddrüsen gebildete Parathormon zu sich nehmen, welches an der Regulation des Calciumspiegels im Blut beteiligt ist.

 

Radiojodtherapie

Eine Radiojodtherapie kommt – wie eine operative Entfernung – normalerweise erst nach dem Versuch einer medikamentösen Therapie infrage. Bei der Radiojodtherapie nimmt der Morbus-Basedow-Betroffene radioaktives Jod (Jod 131) ein (meist in Kapselform). Die Schilddrüse benötigt Jod, um Schilddrüsenhormone herzustellen – daher nimmt sie das radioaktive Jod auf und schädigt so auf Dauer ihre Zellen. Nach und nach werden so immer mehr Zellen der Schilddrüse zerstört, wodurch sie auch weniger Hormone herstellt. Die durch Morbus Basedow verursachten Beschwerden verringern sich dabei.

Die Radiojodtherapie kann unter Umständen eine endokrine Orbitopathie auslösen oder diese verschlimmern. In der Regel ist dieser Effekt jedoch nur vorübergehend. Sofern bereits eine starke endokrine Orbitopathie vorliegt, kann es jedoch sinnvoll sein, andere Therapie-Möglichkeiten zu bevorzugen.

Wie viel radioaktives Jod beim Morbus-Basedow-Betroffenen notwendig ist beziehungsweise wie viel Jod die Schilddrüse aufnimmt, ermittelt der Arzt zunächst mithilfe eines Tests (Radiojodtest). So lässt sich eine unnötige Strahlenbelastung vermeiden.

Für schwangere oder stillende Frauen kommt eine Radiojodtherapie nicht infrage. Auch für mindestens sechs Monate nach der Radiojodtherapie sollten Frauen von einer Schwangerschaft absehen.

Nebenwirkungen und Risiken

Mögliche Nebenwirkungen der Radiojodtherapie sind Beschwerden im Halsbereich und ein vorrübergehender Anstieg der Schilddrüsenhormone. Bei Männern kann zeitweilig die Testosteron-Konzentration im Blut sinken.

Nicht das gesamte bei der Radiojodtherapie aufgenommene radioaktive Jod wird vom Körper verstoffwechselt: Überschüssige Mengen scheidet der Körper über Stuhl, Urin und Speichel aus. Aus diesem Grund muss der Betroffene auch einige Tage nach der Therapie stationär im Krankenhaus bleiben, da die Ausscheidungen aufgefangen und gelagert werden müssen, bis die Radioaktivität unter die zulässigen Grenzwerte gesunken ist.

Durch die Radiojodtherapie sinkt die Produktion der Schilddrüsenhormone dauerhaft. In der Regel muss der Betroffene im Anschluss daher lebenslang Schilddrüsenhormone in Form von Medikamenten zu sich nehmen, um normale Hormonkonzentrationen zu erreichen.

 

Endokrine Orbitopathie

Um eine endokrine Orbitopathie im Rahmen eines Morbus Basedow zu behandeln, muss als Erstes die Produktion der Schilddrüsenhormone normalisiert werden. Daneben gibt es jedoch weitere Therapie-Möglichkeiten, abhängig davon, ob es sich um eine leichte oder schwere Form der Augenbeteiligung handelt. Bei Betroffenen mit leichten Beschwerden, wie zum Beispiel trockenen Augen, helfen in der Regel Tränenersatzmittel (sog. künstliche Tränen). Für die Nacht gibt es feuchtigkeitsspendende Augen-Gele.

Um die endokrine Orbitopathie nicht zu verschlimmern, sollten Betroffene unbedingt auf das Rauchen verzichten. Denn hierdurch verstärken sich die Entzündungsprozesse im Auge, was den Therapie-Verlauf behindern kann.

In schweren Fällen von endokriner Orbitopathie gibt es folgende Therapie-Optionen:

  • Behandlung mit Glukokortikoiden
  • operative Druckentlastung des Sehnervs (orbitale Dekompression)
  • Operation der Augenlider
  • Operation der Augenmuskeln
  • Bestrahlung der Augenhöhlen (Retrobulbärbestrahlung; heute eher unüblich)

Glukokortikoide

Die Vorwölbung der Augäpfel bei Morbus Basedow entsteht vor allem durch entzündliche Immunreaktionen, die eine Schwellung des Gewebes in der Augenhöhle bewirken und dadurch den Augapfel nach vorne schieben. Entzündungshemmende Wirkstoffe aus der Gruppe der Glukokortikoide (wie z.B. Prednisolon), können diese Schwellungen verringern und die Vorwölbung des Augapfels dadurch zurückgehen lassen.

Operative Druckentlastung des Sehnervs (orbitale Dekompression)

Die Schwellung im Gewebe der Augenhöhle kann nicht nur den Augapfel nach vorne schieben, sondern unter Umständen auch den Sehnerv quetschen. Das kann den Sehnerv und damit die Sehfähigkeit gefährden. Um den Sehnerv zu entlasten, kann deshalb operativ der Knochen von der Augenhöhle zur Nasennebenhöhle hin durchbrochen werden. Auf diese Weise kann sich das geschwollene Gewebe nach hinten in die Nasennebenhöhle ausbreiten und drückt nicht mehr so sehr auf Augapfel und Sehnerv. Solch eine Operation kann auch sinnvoll sein, wenn der Augapfel so weit vortritt, dass die Hornhaut des Auges Schaden nehmen kann, weil die Augenlider nicht richtig schliessen können.

Operation der Augenlider

Durch die endokrine Orbitopathie ist das Augenlid möglicherweise zu kurz oder ungünstig in der Form verändert, um einen normalen Lidschluss zu ermöglichen. Zudem kann das Augenlid anschwellen und das Schliessen der Lider erschweren. In beiden Fällen ist eine operative Korrektur der Augenlider möglich, bei der entsprechend entweder das Augenlid angepasst oder – bei geschwollenen Lidern – Fettgewebe entnommen wird. Operative Eingriffe dieser Art sind möglich, sobald keine akuten Entzündungsreaktionen mehr vorliegen.

Operation der Augenmuskeln

Die Entzündungsreaktionen im Rahmen der endokrinen Orbitopathie können die Augenmuskeln ungünstig beeinflussen, sodass die Betroffenen die Augen nicht richtig ausrichten können. Als Folge können Doppelbilder entstehen. In diesem Fall können nach Abklingen der aktiven Entzündungen die Augenmuskeln operativ korrigiert werden. Hierfür versetzt der Operateur die Augenmuskeln am Augapfel ein Stück weiter nach hinten.

Bestrahlung der Augenhöhlen (Retrobulbärbestrahlung)

Die Bestrahlung der Augenhöhlen (Retrobulbärbestrahlung) war eine gängige Methode zur Behandlung der endokrinen Orbitopathie. Dabei wurde das Gewebe der Augenhöhle (Orbita), also der Bereich hinter dem Auge, von den Schläfen aus mit Röntgenstrahlen bestrahlt. Die Bestrahlung sollte entzündliche Prozesse in den Augenmuskeln hemmen und dadurch Schwellungen zurückgehen lassen, damit der Augapfel wieder tiefer in der Augenhöhle sitzen kann. Studien zeigten jedoch, dass die Retrobulbärbestrahlung kaum Einfluss auf die endokrine Orbitopathie hat – die Methode wird heute deshalb nur noch selten durchgeführt.

 

Was Sie selbst tun können

Zusätzlich zur Therapie können Sie selbst dazu beitragen, die bei Morbus Basedow auftretenden Beschwerden zu lindern:

Ernährung und Bewegung

Durch die medizinische Therapie bei Morbus Basedow kann es wieder leichter zu einer Gewichtszunahme kommen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung gepaart mit Bewegung wirkt sich günstig auf die Erkrankung und Ihr Gewicht aus und verbessert zudem Ihr persönliches Wohlbefinden.

 

Entspannung

Stress wirkt sich ungünstig auf das Immunsystem aus und kann bei Personen mit genetischer Vorbelastung zum Entstehen eines Morbus Basedow beitragen oder diesen auch verschlimmern. Deshalb ist es sinnvoll, auf frühzeitige Gegenmassnahmen zu achten und Wert auf Entspannung zu legen. Versuchen Sie, Stress zu meiden, nehmen Sie sich Auszeiten und sagen Sie auch einmal Nein. Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training) können dabei helfen, den Stresspegel generell zu senken und schneller einen entspannten Zustand zu erreichen.

 

Endokrine Orbitopathie

Betroffene mit endokriner Orbitopathie können die Beschwerden durch folgende Massnahmen lindern:

  • Rauchen aufgeben: Rauchen wirkt sich ungünstig auf die endokrine Orbitopathie aus und kann die Symptome verschlimmern. Bei genetisch vorbelasteten Personen kann Rauchen zudem Auslöser für einen Morbus Basedow bzw. eine endokrine Orbitopathie sein. Das Risiko für eine endokrine Orbitopathie ist bei rauchenden Basedow-Betroffenen um das Achtfache erhöht. Verzichten Sie deshalb möglichst auf den Konsum von Tabakwaren.
  • Tränenersatzmittel: Wenn die Augenlider durch den hervortretenden Augapfel nicht richtig schliessen, kann es zu Beschwerden durch trockene Augen kommen. Hier können Tränenersatzmittel (künstliche Tränen) helfen, das Auge feucht zu halten. Bei schlecht schliessenden Augenlidern ist nachts ein feuchtigkeitsspendendes Gel für die Augen (z.B. mit Dexpanthenol) sinnvoll.
  • Sonnenbrille / getönte Gläser: Durch die endokrine Orbitopathie reagieren die Augen empfindlicher auf Licht. Empfehlenswert ist deshalb der Gebrauch von Sonnenbrillen bzw. einer Brille mit getönten Gläsern. Ideal sind hierbei Brillen, die auch einen Seitenschutz haben und so Wind abhalten. Denn häufig sind die Augen auch sehr windempfindlich. Brillen mit getönten Gläsern sind bei Morbus Basedow verordnungsfähig.
  • Kopf hochlagern: Lagern Sie im Bett Ihren Kopf höher als den Rest Ihres Körpers. Dadurch sammelt sich weniger Flüssigkeit in den Augenlidern und im Gewebe hinter den Augen – das kann den Druck auf den Augapfel etwas verringern.
  • Augenkompressen: Kühle Augenkompressen empfinden viele Betroffene mit endokriner Orbitopathie als angenehm. Sie lindern vor allem Schwellungen der Augenlider.
  • Prismenfolie: Die endokrine Orbitopathie kann die Augenmuskeln beeinflussen und dadurch zu Doppelbildern führen. Übergangsweise können hier Prismenfolien Abhilfe schaffen, die man auf die Brillengläser klebt. Bestehen die Doppelbilder dauerhaft, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden.

 

Myxödem

Bei weniger als 5 von 100 Morbus-Basedow-Patienten tritt im Rahmen der Erkrankung ein Myxödem auf, von dem in der Regel vor allem die Schienbeine (prätibiales Myxödem) betroffen sind. Durch das Myxödem kommt es hier zu Hautrötungen, -verdickungen und Schwellungen. Zusätzlich zur eigentlichen Therapie können Hautcremes oder -salben mit dem Wirkstoff Hydrocortison helfen, Schwellungen und Rötungen zurückgehen zu lassen.

Bei leichten Fällen von Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) kann es hin und wieder von selbst zu Besserungen kommen, bei stärkeren Verläufen ist dies jedoch unwahrscheinlich. Aber auch bei leichten Fällen sind ohne Behandlung auf lange Sicht Rückfälle zu erwarten, eine Therapie sollte deshalb auch bei leichten Fällen in Betracht gezogen werden. Bei schweren Fällen von Morbus Basedow kann es ohne Behandlung zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, zum Beispiel:

Schwangerschaftskomplikationen

Bei Schwangeren mit Morbus Basedow besteht auch bei geeigneter Therapie eine geringe Wahrscheinlichkeit für Schwangerschaftskomplikationen. Trotz Therapie können immer noch Antikörper gegen die Schilddrüse im Blut der Mutter kursieren und so auch die Plazenta überwinden.

Auf diese Weise können die Antikörper auch beim ungeborenen Kind die Hormonproduktion der Schilddrüse ankurbeln und eine Überfunktion (sog. fetale Hyperthyreose) bewirken. Als Folge sind weitere Komplikationen beim Fötus beziehungsweise Neugeborenen möglich, wie z.B. Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, erhöhte Sterblichkeit in der ersten Woche nach der Geburt sowie eine vorübergehende Schilddrüsenüberfunktion beim Neugeborenen.

Herzprobleme

Bleibt der Morbus Basedow dauerhaft ohne Behandlung, kann es in der Folge zu Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz kommen.

 

Thyreotoxische Krise

Die thyreotoxische Krise ist eine seltene, lebensbedrohliche Notfallsituation. Sie kann entstehen, wenn entweder eine sehr schwere Schilddrüsenüberfunktion nicht behandelt wird oder die Medikamente abgesetzt werden.

Auch durch eine falsche Behandlung kann diese Komplikation entstehen – etwa wenn der Morbus-Basedow-Betroffene mit Jod angereicherte Medikamente oder ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel erhält.

Die Schilddrüse produziert als Folge in kurzer Zeit grosse Mengen an Schilddrüsenhormonen. Diese Stoffwechselentgleisung kann zu zahlreichen Symptomen führen, angefangen bei hohem Fieber, starkem SchwitzenAngst und Zittern bis hin zu Herz-Kreislauf-Versagen und Koma.

 

Osteoporose

Unbehandelt behindert Morbus Basedow den Einbau von Calcium in die Knochen und kann dadurch auf Dauer eine Osteoporose (Knochenschwund) fördern.

Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) können Sie nicht direkt vorbeugen. Sofern in Ihrer Familie bereits Fälle von Schilddrüsenerkrankungen vorkommen, können Sie jedoch selbst aktiv werden und Ihr Erkrankungsrisiko indirekt senken:

  • Vermeiden Sie Stress: Stress kann bei erblich vorbelasteten Personen das Risiko für Morbus Basedow erhöhen bzw. diesen auslösen. Versuchen Sie deshalb, Stress auf einem gesunden Level zu halten. Nehmen Sie sich z.B. Auszeiten, wenn Sie diese brauchen oder eignen Sie sich Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training an.
  • Bleiben / werden Sie Nichtraucher: Rauchen erhöht das Risiko für Morbus Basedow bei erblich vorbelasteten Personen deutlich, denn Rauchen beeinflusst das Immunsystem negativ. Raucher mit Morbus Basedow erkranken zudem meist auch an endokriner Orbitopathie, d.h. es kommt zu sichtbaren Veränderungen an den Augen.

Daneben können Sie allgemeine Massnahmen ergreifen, um Ihr Immunsystem zu stärken und Ihr Wohlbefinden zu steigern: Achten Sie zum Beispiel auf eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung und Schlaf.