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AkupunkturNadelstiche als Wundermittel

Die Behandlungsmethoden der chinesischen Medizin sind gewöhnungsbedürftig. Doch der Erfolg heiligt die Mittel.

von aktualisiert am 08. Februar 2018

Ob Akupunktur oder Kräuter: Therapeuten, die ihren Patienten die traditionelle chinesische Medizin (TCM) verschreiben, können auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen. TCM wird seit 5000 Jahren praktiziert und gehört zu den ältesten und ausgereiften naturheilkundlichen Systemen der menschlichen Kultur. Das Spektrum der Techniken ist immens und wird während einer Behandlung einzeln oder in Kombination angewandt. Viele dieser Methoden ergänzen erfolgreich die Schulmedizin.

Weshalb aber ist die chinesische Medizin derart gefragt? Wie man eine Blume nicht nur von oben, sondern auch von unten und von allen Seiten betrachten kann, so wechselt auch der TCM-Therapeut im Lauf einer Behandlung mehrmals seinen Blickwinkel und spielt mit den Möglichkeiten der TCM-Philosophie. So erhält er eine Art «dreidimensionale» Vorstellung vom Patienten und seiner Krankheit.

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Die Lebensenergie beeinflussen

Die TCM arbeitet mit Prinzipien, die uns «Langnasen», wie die Chinesen die Europäer oft nennen, meist unverständlich sind. Alle praktizierten Techniken basieren auf intensiven Beobachtungen der Natur und deren Einfluss auf den Menschen.

Der Blick über die Schultern eines chinesischen An-Mo-Therapeuten, eines Kräutermischers oder eines Nadelstechers (Akupunkteur) ist faszinierend: Gekonnt rückt der Spezialist den Beschwerden seiner Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Nadeln, stark riechendem Moxakraut, Schröpfkugeln oder Ohrsamen zu Leibe. Diese Techniken haben eines gemeinsam: Der Fluss und die Verteilung der Lebensenergie «Qi» (sprich dschi) soll positiv beeinflusst werden.

Als «hoch spannend» hat etwa Karin F. den Besuch beim TCM-Therapeuten empfunden. «Kein schulmedizinisch ausgerichteter Arzt hat mir je so viele unterschiedliche Fragen gestellt! Und noch keiner hat mir dann so ausführlich und verständlich erklärt, wie er meine Beschwerden beurteilt und was man dagegen tun kann», schwärmt sie noch heute. Jahrelang plagte sich die 34-Jährige mit Periodenschmerzen, Migräneanfällen, Schwächezuständen und Schlafstörungen herum. Karin F. probierte viele Mittel aus – vergeblich. Der Schulmediziner empfahl die Entfernung der Gebärmutter oder der Gebärmutterschleimhaut. Doch dafür fühlte sich die Patientin noch zu jung; ein so schwerer Eingriff war ihr zu endgültig. Deshalb wagte sie den Schritt zur «sanften Medizin».

Yin und Yang gestört

«Blut-Stagnation» lautete die Diagnose des TCM-Therapeuten. Typische Zeichen für eine Blut-Stagnation sind unter anderem stechende, klar lokalisierbare Schmerzen. Blut, das nicht geschmeidig fliesst, staut sich im Körper ähnlich wie Wasser an einem Staudamm und erzeugt durch den Druck grosse Schmerzen.

Ausserdem war bei Karin F. das Gleichgewicht von Yin und Yang im Organismus massiv gestört. Yin steht für die befeuchtenden, kühlenden und nährenden Funktionen, Yang für Aktivität und Erwärmung. Eine Schwäche des Yin, das für den Aufbau von Blut und Gewebe verantwortlich ist, kann im Lauf der Zeit zu einer Schwäche des Bluts führen. Schlafstörungen, Erschöpfungszustände und ähnliche Beschwerden sind die Folge. Ein Yin-Manko führt ausserdem zu einem Überschuss des aktiven Yang, was sich mit Migräneattacken oder Kopfschmerzen bemerkbar macht.

Doch gegen solche Beschwerden ist ein Kraut gewachsen. Karin F. erhielt eine speziell auf sie abgestimmte Kräuterteemischung; zudem behandelte sie der TCM-Therapeut mit präzis gesetzten Nadelstichen. Sechs Sitzungen später und zwei Monate nach Beginn der Kräutertherapie zeigten sich bereits deutliche Ergebnisse: Die Migräneattacken blieben für immer längere Zeiträume aus, die Schmerzen im Unterleib waren weitgehend verschwunden, und auch die Menstruationsblutungen wurden zusehends schwächer.

Nadelstiche ohne Schmerzen

«Meine Entscheidung für die TCM habe ich nicht bereut», sagt Karin F. Was sie am meisten überrascht hat: «Die Nadelstiche schmerzten überhaupt nicht. Bloss der Geschmack des Kräutertees war sehr gewöhnungsbedürftig», sagt sie.

Die junge Frau gehört zu den glücklichen Patientinnen: Sie fand nicht nur auf Anhieb einen guten Therapeuten, sondern sprach auch rasch auf die Behandlung an. Letzteres ist nicht selbstverständlich, denn auch in der TCM gilt: Krankheiten mit einer langen Vorgeschichte benötigen meist eine längere Behandlung. Oder, anders gesagt: Je mehr Symptome und je schwerwiegender die Auswirkungen auf Körper oder Psyche sind, desto aufwändiger ist die Therapie.

Hohe Hürde für Therapeuten

TCM-Therapeuten und Ärzte mit einer Zusatzausbildung müssen die wichtigsten 600 von über 5000 Kräutern und rund 400 Rezepturen kennen. Und in der Akupunktur gilt es neben den mehr als 360 regulären Punkten ebenso viele Extrapunkte in Lage und Funktion auswendig zu lernen. Bei derart viel Kopfarbeit hilft den künftigen Spezialisten in chinesischer Medizin oft nur eins: die beruhigende Wirkung eines Kräutertees.

TCM: Die Behandlungspalette

  • Akupunktur
    Behandlung der Akupunkte mit Nadeln, die in die Haut gestochen werden, Moxa, Laser oder Elektrizität. Es gibt zahlreiche Untergruppen der Akupunktur wie beispielsweise Schädel-, Ohr-, Hand- und Fussakupunktur.
     
  • An-Mo/Tui-Na
    Chinesische Körpertherapie mit einer sanften Manipulation der Gelenke sowie der Wirbelsäule.
     
  • Gua Sha
    Mit oberflächlicher Hautreizung werden lokale Schmerzen gelindert und «Schlacken» durch die Haut ausgeschieden.
     
  • Ernährung
    Die Ernährung nach der sogenannten «Lehre der fünf Elemente» gewährleistet eine optimale Versorgung aller Organe und Meridiane.
     
  • Kräutertherapie
    Vor allem chronische Beschwerden können mit chinesischen Kräutern wirkungsvoll behandelt werden.
     
  • Moxibustion/Moxa
    Punktuelle Wärmebehandlung mit Hilfe von glühenden Beifusszigarren.
     
  • Qi Gong
    Atem- und Bewegungsmeditation, mit der das «Qi», die Lebensenergie, gelenkt wird.

     
  • Schröpfen
    Mit Hilfe von Schröpfkugeln wird ein Unterdruck erzeugt, der Verspannungen, sogenannte Stagnationen, löst. Patienten können «blutig» (mit vorgängiger Hautreizung) oder «unblutig» geschröpft werden.
     
  • Tai Ji
    Bewegungsmeditation mit Aspekten der Kampfkunst, auch bekannt als «Schattenboxen».

Weitere Informationen

 

  • ASA, Assoziation Schweizer Aerztegesellschaften für Akupunktur und Chinesische Medizin: www.akupunktur-tcm.ch
     
  • SBO-TCM, Schweizerische Berufsorganisation für traditionelle chinesische Medizin: www.sbo-tcm.ch
     
  • SMS, Internationale Gesellschaft für chinesische Medizin: www.tcm.edu
     
  • Über anerkannte TCM-Therapeuten können Sie sich auch direkt bei Ihrer Krankenkasse informieren.